first published in June 2021 updated in April 2026 



For my dear friend Fred K. Prieberg, who to this day is the only one who has warned against Michael H. Kater, the (History-) 'Faker'.  Ulrich J. Blomann, June 2021



Abb.: Orff-Zentrum München


 

phonetische Forensik: 

ein weiteres Indiz:

 

»his Beweis dafür, was...« ist ein Beweis dafür, dass...

 

Ein weiteres Indiz für die unwahre Behauptung Michael H. Katers findet sich in einer  spezifischen Aussprache eines deutschen Wortes innerhalb des englischsprachigen Dialogs mit Newell Jenkins.  

Denn inmitten des besagten Dialogs ereignet sich das Ungeheuerliche: Anstatt auf eine Bestätigung zu warten, übernimmt der damals vitale, in der Kraft seiner mittleren Jahre stehende Kater selbst die Regie und souffliert dem Greisen die entscheidenden Worte regelrecht ein.

Der phonetische Fingerabdruck dieses Betrugs kristallisiert sich in einer einzigen, messerscharf artikulierten Vokabel heraus, dem deutschen Wort „dafür“, das Kater mit der unverkennbaren Präzision eines deutschen Muttersprachlers in den Raum schleudert. Hier prallen zwei unver-einbare Sprechbiografien aufeinander:

 

Auf der einen Seite Newell Jenkins, ein Mann von nicht identifizierbarer deutscher Sprachkultur, der zwischen 1932 und 1935 in Dresden, Freiburg und München studiert und später als Kulturoffizier der US-Militärregierung eine nicht genau bestimmbare Zeit die Reeducation im besiegten Deutschland mitgeprägt hatte. Wie tief auch immer sich Jenkins  in der deutsche Sprache vertieft hat, so unerbittlich bleiben die Gesetze der Phonetik für einen anglophonen Sprecher, der erst im Erwachsenenalter zur Zweitsprache fand: Das geschlossene deutsche „Ü“ – die paradoxe Gleichzeitigkeit von „I“-Zungenstellung und extremer Lippenrundung – bleibt für einen US-Amerikaner eine anatomische Grenzerfahrung, die unter dem kognitiven Stress eines Interviews im hohen Alter unweigerlich zu einem entfärbten „I“ oder einem bauchigen „U“ degradiert.

Auf der anderen Seite steht Michael H. Kater, 1937 in Zittau geboren, der seine gesamte Kindheit und prägende Jugend bis zu seinem sechzehnten Lebensjahr im Jahr 1953 in Deutschland verbrachte. Katers Sprechwerkzeuge wurden in dieser unhintergehbaren formativen Phase unwi-derruflich auf die spezifischen Reibelaute und geschlossenen Vokale der deutschen Sprache programmiert; jenes „dafür“ in der Aufnahme besitzt eine Energiedichte und eine spektrale Reinheit, die nur aus einem Kehlkopf stammen kann, der dieses Wort nicht als mühsam erlerntes Bildungskapital, sondern als Teil seiner biologischen Identität begreift. Es ist eine physikalische Unmöglichkeit, dass der achtzigjährige Jenkins, dessen Studien- und Militärdienstjahre in Deutschland über fünf Jahrzehnte zurücklagen, dieses Wort mit einer solch metallischen, muttersprachlichen Resonanz hätte formen können, während er gleichzeitig einräumen muss, dass seine Erinnerung ihn im Stich lässt – „I don't remember“.

Während Jenkins’ Stimme durch die typisch amerikanische Instabilität und Luftigkeit gekenn-zeichnet ist, bricht Katers „dafür“ wie ein akustisches Kuckucksei durch die englische Syntax. Kater tritt aus dem Schatten seiner Rolle als Historiker heraus, nutzt seine  deutsche Phonetik als Werkzeug der Suggestion und liefert sich in einer bizarren Mimikry das Beweisstück selbst, während der tatsächliche Zeuge Jenkins mit seinem fassungslosen Echo – „Oh, he told you that?“ – nur noch dokumentiert, dass er der Zeuge einer Behauptung geworden ist, die er selbst niemals aufgestellt hat. 

 

 aus der vertiefenden Analyseperspektive eines forensischen Phonetikers:  

Gemini hat gesagt

 

Aus stimmenforensischer und artikulatorischer Sicht stellt die Aussprache des deutschen Umlauts ü () für englischsprachige Personen eine hochgradig komplexe Herausforderung dar, da sie eine Koordination erfordert, die im englischen Phonemsystem nicht vorgesehen ist. Während das Deutsche das Prinzip der Lippenrundung bei Vorderzungenvokalen nutzt, trennt das Englische diese Merkmale strikt: Vokale, die im vorderen Mundraum gebildet werden (wie in see), sind ungerundet, während gerundete Vokale fast ausnahmslos im hinteren Mundraum entstehen (wie in boot).

In der akustischen Spektrographie lässt sich dieser Konflikt präzise an den sogenannten Formanten ablesen. Die Frequenz des ersten Formanten () und vor allem des zweiten Formanten () bestimmt die Identität eines Vokals. Für ein korrektes ü muss die Zunge die Position des extrem hohen vorderen Vokals einnehmen, was einen sehr hohen -Wert erzeugt. Gleichzeitig bewirkt die starke Lippenrundung eine physikalische Verlängerung des Ansatzrohres, was die Resonanzfrequenzen eigentlich absenkt. Diese paradoxe Anforderung – eine „helle“ Zungenposition mit einer „dunklen“ Lippenform zu kombinieren – führt bei englischen Muttersprachlern zu charakteristischen Abweichungen, die forensisch als Interferenzen gewertet werden.

Häufig lässt sich dabei das Phänomen der Entrundung beobachten: Der Sprecher behält die gewohnte Zungenstellung des englischen „ee“ bei, versäumt jedoch die Lippenrundung, wodurch im Spektrogramm ein klassisches anstelle des Umlauts erscheint. Alternativ kommt es zur Depalatalisierung, bei der die Konzentration auf die Lippenrundung dazu führt, dass die Zunge instinktiv in den hinteren Mundraum rutscht. Akustisch nähert sich das Signal dann einem an, was durch einen massiv absinkenden zweiten Formanten sichtbar wird.

Ein weiteres distinktives Merkmal in der Stimmenanalyse ist die Diphthongierung. Da das Englische zu gleitenden Vokalbewegungen neigt, produzieren ungeübte Sprecher das ü oft nicht als stabilen Monophthong, sondern als instabilen Laut mit einer messbaren Dynamik in den Formantenkurven. In der forensischen Sprecheridentifizierung dient diese Unfähigkeit, die statische Artikulationskonfiguration über die gesamte Dauer des Lautes zu halten, als verlässlicher Indikator für einen anglophonen Hintergrund, da die neuro-motorische Steuerung hier gegen die tief verwurzelten Muster der Muttersprache arbeiten muss.

 

 

phonetische Forensik: 

ein weiteres Indiz:

der doppelte Carl...

 

In der Gesprächstranskription wurde mit einem [sic] darauf aufmerksam gemacht, dass der Sprecher den Vornamen Hubers falsch mit Karl angibt. Nicht anders verhält es sich mit Katers Ausführungen im Palmer-Film. Hier bevornamt allerdings, wie unter anderem Palmers Interviewtranskription offenbart,  zweifelsfrei Kater den Widerständskämpfer Kurt Huber mehrfach falsch mit Carl.   

 

 

In der forensischen Linguistik stellt die konsistente Falschbenennung von Kurt Huber als „Karl“ durch Kater ein hochgradig belastbares Indiz für eine Urheberidentität dar, da es sich hierbei um ein spezifisches Merkmal des individuellen Idiolekts handelt. Die Tatsache, dass dieser markante kognitive Fehler nicht nur in der Jenkins zugeschriebenen Transkription, sondern nachweislich auch in Katers Interview mit Palmer auftritt, deutet auf einen sogenannten kognitiven Fingerabdruck hin. In der Täterprofiling-Analyse wird dies als Linguistisches Leakage gewertet: Ein Sprecher überträgt unbewusst seine eigenen Wissenslücken und habituellen Fehlverknüpfungen auf eine von ihm fingierte oder manipulierte Person. Da die statistische Wahrscheinlichkeit, dass zwei voneinander unabhängige Sprecher exakt dieselbe idiosynkratische Namensverwechslung begehen, als äußerst gering einzustufen ist, stützt diese Deckungsgleichheit massiv die Annahme, dass Kater die Passage im Jenkins-Interview in Wahrheit selbst spricht.  

 

apropos: Anmerkungen zu einer Fußnote

Argumentum e silentio 

 

Die Beweiskraft des Schweigens: Eine Quellenkritik zum vor-geblich beweiskräftigen Sutermeister-Brief:

 

Um die Stichhaltigkeit von Katers Argumentation zu prüfen, muss in einem ersten Schritt leser-unfreundlicher Aufwand betrieben, in einem zweiten Schritt Sutermeisters Brief an Carl Orff vom 15. Dezember 1946 im Entstehungskontext betrachten werden.

 

Sutermeister berichtet an Orff u.a. von einer Begegnung mit Newell Jenkins: 

 

„[...] Endlich hörte ich etwas Näheres von Ihnen, ich wusste ja rein nichts, von Prof. Huber, von der schweren Zeit, die Sie, verfolgt, durchmachen mussten [...] ich erinnerte mich noch damals gut, wie Sie mir von den Foltermethoden der Gestapo erzählten und ahnte damals nicht, dass Sie selber und Ihre besten Freunde in höchster Gefahr standen {...]. Und wann kommen Sie zu uns? Viele herzliche Grüsse an Ihre Fau, besonder aber an Sie und Ihre Kinder Ihr Sutermeister."

 

Zur Erinnerung: Kater führt diesen Brief als Beleg an, um die Glaubwürdigkeit der ihm gegenüber von Jenkins geäußerten Aussage zu stützen. Er behauptet, der Brief beweise, dass bereits in diesem Dokument Orffs Behauptung, Mitbegründer und Aktivist der Weißen Rose gewesen zu sein, ihre Bestätigung finde. Doch bei genauerer Analyse des Briefes erweist sich Katers Rückschluss als methodisch unhaltbar. Die entscheidende Schwäche in Katers Beweisführung liegt in dem, was der Brief nicht sagt. Sutermeister schreibt zwar hochemotional über Informationen, die er von Jenkins erhalten hat, aber von einem Orff-Aktivismus im Kontext der Widerstandsgruppe ist nicht einmal andeutungsweise die Rede.

 

Orffs Gefährdung nach der Verhaftung Kurt Hubers war eine historische Realität. Denn er war nicht nur Freund und Kollege des hingerichteten Widerstandskämpfers, sondern auch dessen unmittelbarer Nachbar in der Gräfelfinger Ritter von Epp-Straße (Huber in Hausnummer 5, Orff in Nummer 21). Durch diese räumliche und soziale Nähe geriet Orff nach Hubers Festnahme 1943 zwangsläufig ins Fadenkreuz der Gestapo, was seine damaligen Ängste und möglicherweise auch sein vorgebliches Gespräch mit Baldur von Schirach in Wien  begründete.

 

Doch genau hier greift die quellenkritische Widerlegung: Hätte Orff in seinen Gesprächen mit Jenkins die geradezu sensationelle Tatsache von Orffs Weiße Rose-Aktivismus erwähnt, wäre sie gewiss auch in Jenkins' Gespräch mit Sutermeister thematisiert worden und hätte so auch Eingang in dessen Brief an Orff gefunden. Die Weiße Rose war bereits 1946 zum Synonym für heroischen Widerstand avanciert, die Ritter von Epp-Straße bereits 1945 – und damit ein Jahr vor Sutermeisters Brief – in Professor Kurt Huber-Straße umbenannt worden.

Dass Sutermeister in seinem Brief Orffs aktive Rolle  im organisierten Widerstand mit keinem Wort andeutet, lässt nur einen Schluss zu: Diese Behauptung wurde von Orff gegenüber Jenkins nie aufgestellt.

Fazit

Sutermeisters dokumentiert lediglich die Kommunikation über Orffs Bedrohungslage. Er schweigt jedoch beharrlich zu jeder Form von aktivem Widerstand oder einer Gründerschaft in der Weißen Rose. Indem Kater diesen Brief dennoch als Beleg für Jenkins’ „Wahrhaftigkeit“ in Bezug auf die Aktivisten-Legende anführt, konstruiert er einen  P s e u d o b e w e i s. Das Schweigen der Quelle zur Weißen Rose entlarvt Katers Lüge, anstatt sie zu stützen.

 

P.S.: "Dass Jenkins im Gespräch mit mir weder die Unwahrheit gesagt, noch Einzelheiten aus seinem Gespräch mit Orff entstellt  hat, beweist ein Passus im ..."  

 

Mit dieser Formulierung beschreibt Kater unbewusst seinen Methodenhorizont. Warum sollte Jenkins ihm gegenüber die Unwahrheit sagen oder Einzelheiten entstellen? Dafür kann man sich auch mit viel Fantasie keinen Grund ausdenken. Jenkins und Orff blieben, wie die Glückwunschkarte belegt, bis ins hohe Alter  befreundet. 

 

 

 

The Final Proof:

REKAPITUALATION:

'THE TWISTED MUSICOLOGY'



 

Beifang:

 

before:

 

 

afterwards:

 

Anlage 1

 

Evarts, John: SUBJECT:  Special Report - Music Control in Bavaria - Juni 1945 to July 1946, in: BayHStA (Bayerisches Hauptstaatsarchiv), Signatur: RG 260 OMGBY 10/66-1/45 (files also in "Institut für Zeitgeschichte", Munich).

Weitere Informationen zur US-amerikanischen Militärre-   gierung und deren ICD-Music Branch finden Sie hier: