1938 - Bielefeld: Rudolf-Oetker-Halle
Josef Goebbels: Das Kulturleben im Kriege
Rede zur Jahrestagung der Reichskulturkammer
und der NS.-Gemeinschaft "Kraft durch Freude"
27. November 1939
in u. a.: Goebbels 1944
Wenn kein Krieg wäre, so würden wir heute den Gründungstag der Reichskulturkammer und der NS.-Gemeinschaft "Kraft durch Freude" in traditioneller Weise feiern. Nun aber ist der Krieg da; er hat uns vor neue Probleme und schwerere Sorgen gestellt. Aber trotzdem glaubten wir, diesen Tag nicht ohne jede Erinnerung vorübergehen lassen zu sollen. Organisatorische Fragen sind in Deutschland heute in den Hintergrund getreten, und Organisationen besitzen nur insofern noch eine Bedeutung, als sie sich auch im Kriege als notwendig erweisen und bewähren; es ist damit in aller Klarheit erwiesen, daß sie immer nur Mittel zum Zweck sind, und daß sie ihre Existenzberechtigung verlieren, wenn sie gerade in schweren und kritischen Zeiten, wie wir sie heute durchleben, überflüssig werden. Das kann nun von den beiden Organisationen, die heute über 3000 Soldaten, Arbeiter und Kunstschaffende in das Theater des Volkes gerufen haben, nicht gesagt werden. Sie haben sich zur gemeinsamen kulturellen Arbeit am deutschen Volke zusammengetan, und diese Arbeit hat gerade im Kriege ihre erhöhte Bedeutung gewonnen. Damit ist auch diesen Organisationen erst ihr eigentlicher Daseinszweck gegeben und bestätigt worden. Selbstverständlich ist vieles an organisatorischer Arbeit und Planung, die wir im Frieden geleistet haben und die uns damals auch als unvermeidlich erschien, über Bord geworfen worden. Wir mußten das Wichtige vom Unwichtigen und das Lebensnotwendige vom nicht so unmittelbar Notwendigen scheiden. Denn die Kraft des Volkes wird in vielerlei Beziehung in diesen schweren Zeiten so stark in Anspruch genommen, daß wir sie auf ganz wenige Einzelprobleme konzentrieren müssen.
Aber der Krieg beweist es zur Genüge, daß der Mensch nicht allein vom Brote lebt. Auch der Geist und die Seele wollen Nahrung und Stärkung empfangen. Die kulturelle Tätigkeit am deutschen Volk, insbesondere an der deutschen Wehrmacht, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Standhaftigkeit und Durchhaltekraft der ganzen Nation in ihrem Schicksalskampf. Die hier im Theater des Volkes versammelten Soldaten, Arbeiter und Künstler wollen das in aller Deutlichkeit der Öffentlichkeit zum Bewußtsein bringen. Der Krieg hat schon an seinem Anfang eine Unmenge neuer Probleme aufgeworfen. Sie sind von so handgreiflicher Bedeutung, daß ihnen gegenüber eine Reihe von Problemen aus Friedenszeiten vollkommen in den Schatten zurückgetreten sind. Viele Dinge haben unterdes einen anderen Sinn bekommen. Solche, die uns früher fast selbstverständlich Erschienen, sind heute wichtig und bilden den Hauptteil unserer täglichen Sorge. Andere wieder, die wir früher für wichtig hielten, sind heute zu vollkommener Bedeutungslosigkeit herabgesunken. Die durch den Krieg neu heraufgeführten Probleme erscheinen uns oft schwer und manchmal fast unlösbar. Aber überall fangen wir wieder an, das Kleine und scheinbar Unwichtige in seinem richtigen Wert einzuschätzen und es auch dankbar zu empfinden.
In gleicher Weise hat der Krieg auch eine Menge neuer Sorgen mit sich gebracht, und es ist nur zu natürlich, daß diese Sorgen, weil sie so neu und manchmal auch so groß sind, das Gemüt unseres Volkes belasten. Der Alltag erscheint uns vielleicht grauer und schwerer, als das sonst der Fall war. In solchen Zeiten nun ist es um so notwendiger, daß die Staatsführung eifrig darum bemüht bleibt, hier rechtzeitig für Ausgleich zu sorgen und dem Volke gerade in so schweren Zeiten Entspannung und Erholung zu geben, auf die es heute mehr denn je Anspruch erheben kann. Ohne Optimismus ist kein Krieg zu gewinnen; er ist genau so wichtig wie die Kanonen und die Gewehre. Gerade in kritischen Stunden hilft der Optimismus Schwierigkeiten überwinden und Hindernisse beiseiteschieben.
Diesen Optimismus wollen wir im ganzen Volke pflegen. Was aber wäre mehr dazu geeignet, das Volk, unsere Soldaten und arbeitenden -219-
Menschen in diesem Optimismus seelisch aufzurichten und innerlich zu erneuern, als die Kunst? Jetzt wird es wohl auch denen, die das früher nicht verstehen konnten, klar, warum wir immer den Standpunkt vertreten haben, daß es gänzlich falsch wäre, in der Kunst nur einen Zeitvertreib für glückliche Stunden zu sehen. Wir haben niemals die Kunst nur für Friedenszeiten reserviert. Für uns hatte das Wort, daß im Waffenlärm die Musen schweigen, keine Berechtigung. Im Gegenteil, wir vertraten immer den Standpunkt, daß sie da erst recht ihre Kraft entfalten müßten; denn je sorgenvoller die Zeitläufte sind, um so mehr verlangen die Menschen nach innerer Aufrichtung und Erhebung durch die Kunst.
Das liegt unserem deutschen Volkscharakter mehr als dem Charakter jedes anderen Volkes. Es ist kein Zufall, daß in England und Frankreich bei Beginn des Krieges die Theater und Kinos geschlossen wurden und die Filmproduktion beispielsweise gänzlich ins Stocken geriet. Bei uns ist das Umgekehrte der Fall. Unsere Theater und Kinos sind überfüllt. Wir sind auf das eifrigste bemüht, das künstlerische und kulturelle Leben unseres Volkes nicht nur im alten Umfang aufrechtzuerhalten, sondern nach allen Seiten und Möglichkeiten hin zu erweitern.
Damit aber ist die umfassende kulturelle Tätigkeit der beiden großen Organisationen, der Reichskulturkammer und der NS.-Gemeinschaft "Kraft durch Freude", nicht nur nicht überflüssig geworden, sondern sie hat im Gegenteil durch den Krieg erst recht an Bedeutung gewonnen. Diese Arbeit ist heute notwendiger denn je. Wir müssen uns auf den Standpunkt stellen, daß, je dunkler die Straßen sind, desto heller unsere Theater und Kinosäle im Lichterglanz erstrahlen sollen. Je schwerer die Zeit ist, desto leuchtender muß sich über ihr die Kunst als die Trösterin der Menschenseele erheben.
Das verlangen vor allem auch unsere Soldaten. Sie wollen nicht gedeckt sein von einer Heimat, die in Trübsinn und Melancholie versinkt. Es war mehr als typisch, daß, als der deutsche Rundfunk an die Wehrmacht die Frage richtete, welche Musik sie hören wolle, aus ihren Reihen einstimmig der Ruf nach optimistischer, lebensbejahender und herzen- erhebender Musik kam. In diesem Sinne haben wir deshalb auch unsere kulturelle Arbeit bei der Wehrmacht ausgerichtet. Die deutschen Künstler haben es für ihre erste und wichtigste Aufgabe angesehen, unseren Soldaten Unterhaltung und Entspannung zu bringen. Der Laie macht sich gar keine Vorstellung davon, in welch umfassender Weise diese Arbeit sowohl im Osten wie auch im Westen bereits aufgenommen ist. Millionen Bücher gingen bereits an unsere Soldaten heraus. Ungezählte Theater-, Variete- und Filmaufführungen wurden allüberall hinter der Front veranstaltet. Der deutsche Film hat dabei einen Siegeslauf angetreten, der auch für die Optimisten in diesem Umfang unerwartet kam. Das mag wohl mit daran liegen, daß er bemüht war, dem Volke in einer wöchentlich erscheinenden aktuellen Wochenschau einen plastischen Überblick über das geschichtliche Zeitgeschehen zu vermitteln. Diese deutsche Wochenschau begegnet kaum noch einer Kritik. Sie ist modern und großzügig aufgebaut. Unsere Kameramänner, die unter Einsatz ihres Lebens mitten in den schwersten Schlachten diese Wochenschauen drehten, verdienen unseren höchsten Dank. Eine ganze Reihe von ihnen hat ihren heldenmütigen Einsatz mit ihrem Leben bezahlt.
Daneben steht unsere Rundfunkarbeit, die an Umfang, an Klarheit der Führung und Präzision der Durchführung, an Volksnähe und damit Volkstümlichkeit alles bisher Dagewesene bei weitem übertrifft. Vielleicht erinnern wir uns noch mit einem mitleidigen Lächern der Zeit, in der es auch unter uns Literaten gab, die es für ihre kulturelle Pflicht hielten, den Rundfunk in Bausch und Bogen zu verdammen. Wie oft haben wir uns gegen Argumente zur Wehr gesetzt, die dem Rundfunk überhaupt seine Existenzberechtigung den echten Künsten gegenüber absprachen! All dieses hohle Gerede hat der Krieg mit einem Schlage weggefegt; es wiegt heute nicht mehr so viel wie ein Dankesbrief eines einsamen Bunkers im Westen oder einer weit im Osten vorgeschobenen Infanteriekompanie an den Rundfunk, die einzig und allein durch die Ätherwellen mit der fernen Heimat und mit ihren Lieben verbunden waren.
Welch ein Vorteil ist heute darin zu sehen, daß es uns rechtzeitig gelungen ist, die Errungenschaften der modernen Technik in Übereinstimmung zu bringen mit den Forderungen der politischen Staatsführung und der Verpflichtung unserer kulturellen Sendung gegenüber! Die Technik erweist sich heute in ihrer Verbindung mit der Kunst selbst als die stärkste seelische Macht unserer neuen Zeit. Rundfunk, Film und Presse sind damit zu den modernsten Volksführungsmitteln geworden. Die Technik hat nicht, wie Skeptiker das glaubten voraussehen zu müssen, die Herrschaft über den Menschen, sondern der Mensch hat unter unserer Führung die Herrschaft über die Technik angetreten. In ihrem vereinten Einsatz ersetzen sie in der seelischen Durchdringung der Nation manchmal ganze Armeekorps. Daneben steht die Presse als die machtvolle Wortführerin des geistigen und propagandistischen Kampfes, den Deutschland heute einer feindlichen Welt gegenüber mit allen Mitteln der Überzeugungskraft durchzufechten hat.
Welch eine Wandlung können wir auf diesem Gebiet dem Weltkrieg gegenüber feststellen! Damals war es in Deutschland gänzlich unbekannt, wie ein geistig-propagandistischer Kampf gegen die uns feindlichen Mächte durchgeführt werden müßte. Auch die Technik stand noch in ihren Anfängen. Sie begann erst, ihre ersten zaghaften Schritte zu tun. Heute stehen wir in unserem geistigen Kampf gegen die Feindmächte auf der Höhe unserer technischen Vollkommenheit. Der deutsche Geist bedient sich der Technik. In souveränem Einsatz von Geist und Technik schlagen wir auch auf dem Felde der propagandistischen Auseinandersetzungen die großen Schlachten unserer modernen Kriegführung. Wir besitzen nicht nur die Mittel der Technik, um diesen Kampf siegreich zu bestehen, sondern auch die Menschen, die sich der Technik zu bedienen wissen.
In dieser Stunde nun appellieren wir von dieser Kundgebung der Soldaten, Arbeiter und Kulturschaffenden aus an die deutsche Volksgemeinschaft und in ihr besonders an die deutsche Wehrmacht. Soldaten, Arbeiter und Künstler haben sich um diese Nachmittagsstunde im Theater des Volkes versammelt, und sie sind mit der ganzen Nation bis zum letzten Bunker und bis zur letzten einsam vorgeschobenen Kompanie im Osten durch die Ätherwellen verbunden. Sie wenden sich an das ganze deutsche Volk. Sie wollen durch diese Kundgebung, die in der Zeit des Krieges eine erhöhte Bedeutung bat, vor aller Welt dartuen, daß die
Kunst kein Zeitvertreib für den Frieden, sondern auch eine scharfe geistige Waffe für den Krieg ist. Wir haben diese geistige Waffe unserem Volk in die Hand gelegt, und auch mit ihr und für sie tritt die deutsche Nation zum Kampfe um ihre Existenz an. Wir Deutschen verteidigen in diesem Krieg gegen die feindlichen plutokratischen Mächte nicht nur unseren Lebensraum, unser tägliches Brot und unsere Maschinen, wir verteidigen auch unsere deutsche Kultur und mit ihr den großen Segen, den sie dem ganzen Volke bringt. Dafür soll diese Nachmittagsstunde ein Beweis sein.
In diesem Sinne sind hier Soldaten, Arbeiter und Künstler zusammengekommen. Sie verbinden sich im Glauben an den Führer, im Vertrauen auf unser Volk und Reich und auf unsere große nationale Zukunft.
Ein Volk sind wir; ein Weltvolk wollen wir werden!
"erfüllt [...] von kraftvoller und lebensbe-jahender Menschlichkeit" (BArch_R_55_20111_fol_120)
April 1942 - Deutsche Hörer! Zum ersten Mal jährt sich der Tag der Zerstörung von Coventry durch Görings Flieger, - einer der schauderhafteten Leistungen, mit denen Hitler-Deutschland die Welt belehrte, was der totale Krieg ist und wie man sich in ihm aufführt. In Spanien fing's an, wo die Maschinisten des Todes, diese nationalsozialistisch erzogene Rasse mit den leeren, entmenschten Gesichtern, sich vorübten für den Krieg. Welch ein Sport, wo es gar keine Gegenwehr gibt, im Tiefflug in flüchtende Zivilistenmassen hineinzupfeffer, - frisch und fröhlich! Das Gedenken an die Massakers in Polen ist auch unsterblich, - genau das, was man ein Ruhmesblatt nennt. Und Rotterdam, wo in zwanzig Minuten dreißigtausend Menschen den Tad fanden dank einer Bravour, die von moralischem Irresein zu unterscheiden nicht leichtfällt [sic]. Der Edle von Ribbetrop verhüllte sein Angesicht und schluchzte: "Das haben wir nicht gewollt!" (Mann 1970 / 56-57)
Juni 1942 - Deutsche Hörer! [...] Und ist nicht der viehische Massenmord von Mauthausen nur eine unscheinbare Einzelheit im Gesamtbilde dieser Entmenschtheit? Verschwindet er nicht in dem Meer von Scheußlichkeit? Verschwindet er nicht in dem Meer von Scheußlichkeit, das sich über das ganze gefolterte Machtgebiet der Hitler-Infamie erstreckt? (Mann 1970 / 65)
+++ KdF +++ "Was Orff antrieb, gerade diesen Stoff zu vertonen, das mögen wohl die ungebrochene Lebensbejahung und der kühne dichterische Schwung dieser Lieder gewesen sein" (N.N. 1937). +++ KdF +++ "Nach diesem Chor auf die Unerbittlichkeit und Unentrinnbarkeit des dem Menschen auferlegten Schicksals wendet sich die Kantate ganz einer sinnenfrohen Lebensbejahung zu" (ebd.). +++ KdF +++ Der erste Teil führt [...] allmählich zu ausgelassener, unbändiger Daseinsfreude" (ebd.). +++ KdF +++ "Dabei sind die einzelnen Teile [...] als Ausdruck einer ungebundenen Lebenslust, Sinnenfreunde und Ausgelassenheit [...] textlich und musikalisch von hohem Reiz" (Junk 1942). +++ KdF +++ "Orffs Carmina burana, deren entzückend schwingende Leichtigkeit und Wärme [ist] wohl nirgends besser darzustellen [...] als in Wien" (N. N. 1942) +++ KdF +++ oder in:
1940 - 1944 Dresden: Semperoper
1941 - Aachen: Stadttheater
1940/41 - Essen: Stadttheater
März 1941 - Deutsche Hörer! "[...] Habt ihr erfahren, daß die sogenannte Lend-Lease Bill, das Ermächtigungsgesetz zur umfassendsten Hilfeleistung für
England, nun auch vom Senat der Verinigten Staaten mit großer Mehrheit gebilligt worden ist? Ihr seid im Kriege, nicht nur mit dem englischen Reich, ihr seid es in der Tat und Wahrheit heute
schon auch mit Amerika, und man braucht euch nicht zu sagen, ihr fühlt es selbst, daß eure Lage beängstigender und unmöglicher wird von Tag zu Tag. Was soll aus euch werden? Unterliegt ihr,
so sind alle Rachegeister der Welt gegen euch los für das, was ihr den Menschen, den Völkern angetan habt" (Mann 1970 / 20).
April 1941 - Deutsche Hörer! "[...] Jammer und Not, Menschenjagd, Heimatlosigkeit, Verwzeifelung und Selbsmord, Blut und Tränen erfüllen die Erde. Nationen
von stolzer Geschichte, denen die Menschheit Großes verdankt und die in Wohlstand lebten, liegen zerbrochen, geschändet und geplündert" (Mann 1970 / 22).
August 1941 - Deutsche Hörer! [...] Seht, wie die unterdrückten Völker Europas sich wehren gegen denselben Feind, der auch euch unterdrückt. Wollt ihr
geringer, charakterloser, feiger sein als die anderen? Bedenkt, daß das Rüstzeug zur Verskalvung der Welt eurer Hände Werk ist und daß Hitler seinen Krieg nicht fortsetzen kann ohne eure Hilfe.
Verweigert eure Hände und tut nicht mehr mit! Es wird für die Zukufnt ein ungeheurer Unterschied sein, ob ihr Deutsche selbst den Mann des Schreckens, diesen Hitler, beseitigt oder ob es von
außen geschehen muß. Nur wenn ihr euch selbst verfreit, hat ihr ein Anrecht, teilzuhaben an der kommenden freien und gerechten Völkerordnung" (Mann 1970 / 33).
August 1941 - Deutsche Hörer! [...] Sie beruht auf der Tatsache, daß der Nationalsozialismus , diese politische Erfüllung von Ideen, die seit mindestens anderhalb Jahrhunderten im deutschen Volk und in der deutschen Intelligenz rumoren, etwas Äußerstes und physisch und moralsich vollkommen Extravagantes ist, ein experiment letzterreichbarer Unmoral und Brutalität, das sich nicht übersteigern und nicht wiederholen läßt. Das Über-Bord-Werfen aller Menschlichkeit; der Amoklauf gegen alles, was Menschen bindet und sittigt; die desperate Vergewaltigung aller Werte und seelischen Güter, die sonst doch auch den Deutschen und nicht zuletzt ihnen am Herzen lagen; die Errichtung des totalen Kriegsstaates im Dienste des Rassen-Mythos und der Weltunterjochung - mehr kann man nicht tun, weiter kann man nicht gehen (Mann 1970 /34).
24. Dezember 1941 - Deutsche Hörer! [...] Wie ist euch zumute, Deutsche, beim Fest des Friedens, dem Fest der Lichtgeburt, dem Fest der niedergestiegenen, den Menschen geborenen Barmherzigkeit? Rate ich recht, daß Scham und grenzenlose Sehnsucht euch dabei erfüllen: Sehnsucht nach Unschuld - aus Verstrickung in irrsinnige Schuld, in der ihr euch windet; Scham, heiße Scham vor dem Liebesgeist dieses Festes? Seht um euch, was ihr getan habt! In Griechenland sterben täglich zweihundert Menschen Hungers - das ist nur ein Einzelbeispiel für das zum Himmel schreiende Elend, das Völkersterben, die Menschenschändung, die Agonien des Leibes und der Seele rings um euch her, die eure Verführbarkeit, eure schreckliche Folgsamkeit verschuldet haben (Mann 1970 / 45).
+++ KdF +++ "Was Orff antrieb, gerade diesen Stoff zu vertonen, das mögen wohl die ungebrochene Lebensbejahung und der kühne dichterische Schwung dieser Lieder gewesen sein" (N.N. 1937). +++ KdF +++ "Nach diesem Chor auf die Unerbittlichkeit und Unentrinnbarkeit des dem Menschen auferlegten Schicksals wendet sich die Kantate ganz einer sinnenfrohen Lebensbejahung zu" (ebd.). +++ KdF +++ Der erste Teil führt [...] allmählich zu ausgelassener, unbändiger Daseinsfreude" (ebd.). +++ KdF +++ "Dabei sind die einzelnen Teile [...] als Ausdruck einer ungebundenen Lebenslust, Sinnen-freunde und Ausgelassenheit [...] textlich und musikalisch von hohem Reiz" (Junk 1942). +++ KdF +++ "Orffs Carmina burana, deren entzückend schwingende Leichtigkeit und Wärme [ist] wohl nirgends besser darzustellen [...] als in Wien" (N. N. 1942) +++ KdF +++ oder in:
1941/ 42 Stuttgart: Württembergisches Staatstheater
1941/42 - Berlin: Preußisches Staatstheater
'angeschlagene' deutsche Staatsoper
Krolloper
Die Staatsoper Unter den Linden kam am 10. April 1941 bei einem Luftangriff zu Schaden. Sie wurde aus Prestigegründen auf persönlichen Befehl Hitlers sofort wieder aufgebaut. Schon Ende 1942 waren die Bauarbeiten abgeschlossen, und das Haus konnte unter der Leitung von Wilhelm Furtwängler mit Richard Wagners Die Meistersinger von Nürnberg wieder feierlich seiner Bestimmung übergeben werden. Als Ersatzspielstätte hatte, wie nach dem Reichstagsbrand für das Parlament als Tagungsort, die gegenüber des Reichstags am Königsplatz gelegene Krolloper, gedient. In der 'Spielzeit' 1941/42 waren hier allerdings nur noch die vorletzte (11.12.1941) und letzte (26.04.1942) Reichstags-Pseudositzungen abgehalten worden.
Abbildungen - unten links: Blick vom Reichstagsportal über den Königsplatz (wie schon von 1926-33 in der Weimarer Republik auch heute wieder Platz der Republik genannt) in Richtung Krolloper - unten rechts: Stadtplan Berlin Mitte im
Spreebogen. Die heute im Berliner Tiergarten positionierte Siegessäule im Zentrum des architektonischen Ensembles.
1941/42 - Hannover: Opernhaus
1942 - Köln: Opernhaus
August 1942 - Deutsche Hörer! Die griechische Sage erzählt von einem König, Midas, [sic] der alles, was er berührte, in Gold verwandelte. Daß es eine Berührung gibt, die alles, auch das Edelste, augenblicklich in Dreck verwandelt, das erleben wir heute: es ist der Nationalsozialismus, dem diese ekle Gabe zuteil wurde. Alle Gedanken der Zeit, geboren aus Geist- und Zukunftwiligkeit, aus dem Wunsch nach Vervollkommnung der gesellschaftlichen Lebens, alles Gute und Wohlgemeinte reißt er an sich, stiehlt es, verbiegt, verdreht, verdirbt und verschmutzt es, verleiht ihm widerliche Missgestalt, einen Geruch von Ekel, und Hölle -, alles, was er anfaßt - und er faßt alles an - , wird unweigerlich in seinen Händen zu Kot und Unflat (Mann 1970 / 70).
+++ KdF +++ "Was Orff antrieb, gerade diesen Stoff zu vertonen, das mögen wohl die ungebrochene Lebensbejahung und der kühne dichterische Schwung dieser Lieder gewesen sein" (N.N. 1937). +++ KdF +++ "Nach diesem Chor auf die Unerbittlichkeit und Unentrinnbarkeit des dem Menschen auferlegten Schicksals wendet sich die Kantate ganz einer sinnenfrohen Lebensbejahung zu" (ebd.). +++ KdF +++ Der erste Teil führt [...] allmählich zu ausgelassener, unbändiger Daseinsfreude" (ebd.). +++ KdF +++ "Dabei sind die einzelnen Teile [...] als Ausdruck einer ungebundenen Lebenslust, Sinnen-freunde und Ausgelassenheit [...] textlich und musikalisch von hohem Reiz" (Junk 1942). +++ KdF +++ "Orffs Carmina burana, deren entzückend schwingende Leichtigkeit und Wärme [ist] wohl nirgends besser darzustellen [...] als in Wien" (N. N. 1942) +++ KdF +++
1942 - Wien: Staatsoper
1942 - Görlitz: Stadttheater
27. September 1942 - Deutsche Hörer! Man wüßte gern, wie ihr im stillen von der Aufführung derer denkt, die in der Welt für euch handeln, die Juden-Greuel in Europa zum Beispiel - wie euch dabei als Menschen zumute ist, das möchte man euch wohl fragen. Ihr steht immer weiter zu Hitlers Krieg und ertragt das Äußerste aus Furcht vor dem, was die Niederlage bringen würde: von der Rache der mißhandelten Nationen Europas an allem was deutsch ist. Aber gerade von den Juden ist solche Rache ja nicht zu erwarten. Sie sind das wehrloseste, der Gewalt und der Bluttat abgeneigteste aller eurer Opfer. Selbst heut noch nicht sind sie nicht eure Feinde; ihr sein nur ihre. Ihr bringt es nicht fertig, den Haß wechelseitig zu machen. Juden sind fast immer deutschfreundlich, und wenn es mit euch zum Ärgsten kommt, wie es wahrscheinlich ist, - sie gerade, unemotional und altersweise, wie sie sind, werden davon abraten, euch Gleiches mit Gleichem zu vergelten, - sie werden vielleicht in der Welt eure einzigen Freunde und Fürsprecher sein. Sie sind entmachtet, entrechtet, enteignet, in den Staub gedemütigt worden - war das nicht genug? Was sind das für Menschen, für Ungehuer, die des Schändens nie satt werden, denen jedes Elend, das sie den Juden zufügten, nur immer ein Anreiz war, sie in noch tieferes, noch erbarmungsloseres Elend zu stoßen? Anfangs gab es in der Behandlung dieses Restes der Antike, der überall mit modernen Nationalleben eng verwachsen war, ja noch einen Schein von Maß und Vernunft. Die Juden, hieß es, sollten gesondert von ihren Wirtsvölkern, ausgeschlossen von Ämtern und Einfluß, als geduldete Gäste leben, aber ungestört ihrem eigenen Kultus, ihrer eigenen Kultur sich widmen können. Das ist längst vorbei. Auf keiner Stufe machte die Quälsucht halt. Jetzt ist man bei der Vernichtung dem maniakalischen Entschluß zur völligen Austilgung der europäischen Judenschaft angelangt. "Es ist unser Ziel", hat Goebbels in einer Radio-Rede gesagt, "die Juden auszurotten. Ob wir siegen oder geschlagen werden, wir müssen und werden dieses Ziel erreichen. Sollten die deutschen Heere zum Rückzug gezwungen werden, so werden sie auf ihrem Wege den letzten Juden von der Erde vertilgen."
Kein vernunftbegabtes Wesen kann sich in den Gedankengang dieser verjauchten Gehirne versetzen. Wozu? fragt man sich. Warum? Wem ist damit gedient? Wird irgend jemand es besser haben, wenn die Juden vernichtet sind? Hat der unselige Lügenbold sich am Ende selber eingeredet, der Krieg sei vom 'Weltjudentum' angezettelt worden, es sei ein Judenkrieg und werde für und gegen die Juden geführt? Glaubt er, das 'Weltjudentum' werde vor Schrecken den Krieg gegen die Nazis untersagen, wenn er erfährt, daß deren Untergang den Untergang der letzten Juden in Europa bedeuten wird? Die Niederlage hält Gundolfs missratener Schüler nachgerade für möglich. Aber nicht allein werden die Nazis zur Hölle fahren, sie werden die Juden mitnehmen. Sie könnnen nicht ohne Juden sein. Es ist tief empfundenen Schicksalsgemeinschaft. Ich glaube ja freilich, daß die zurückflutenden deutschen Herre an anderes zu denken haben werden als an Progrome. Aber bis sie geschlagen sind, ist es irrsinniger Ernst mit der Ausrottung der Juden. Das Ghetto von Warschau, wo fünhunderttausend Juden aus Polen, Österreich, Tschechslowakien und Deutschland in zwei Dutzend elende Straßen zusammengepfercht worden sind, ist nichts als eine Hunger-, Pest- und Todesgrube, aus der Leichengeruch steigt. Funfunsechzigtausend Menschen sind dort in einem Jahr, dem vorigen, gestorben. Nach den Informationen der polnischen Exil-Regierung sind alles in allem bereits siebenhunderttausend Juden von der Gestapo gemordet oder zu Tode gequält worden, wovon siebzigtausend allein auf die Region von Minsk in Polen entfallen. Wißt ihr Deutsche das? Und wie findet ihr es? Im unbesetzen Fankreich wurden kürzlich dreitausendsechundert Juden den untschiedlichen Konzentrationslagern entnommen und nach dem Osten verfragtet. Bevor sich der Todeszug in Bewegung setzte, begingen dreihundert Menschen Selbstmord. Nur Kinder von fünf Jahren und aufwärts durften bei ihren Eltern bleiben; die kleineren überließ man ihrem Schicksal. Im franzö-sichen Volk hat da so viel böses Blut gemacht. Und wie steht es, Deutsche, mit eurem Blut?
In Paris wurden binnen weniger Tage sechzehntausend Juden zusammengetrieben, in Viehwagen verladen und abransportiert. Wohin? Das weiß der deutsche Lokomotivführer, von dem sich in der Schweiz erzählt. Er ist dorthin entflohen, weil er mehrmals Züge voller Juden zu fahren hatte, die auf offener Strecke hielten, hermetisch verschlosssen und dann durchgast wurden. Der Mann hatte es nicht mehr ausgestanden. Aber seine Erfahrungen sind keineswegs außerordentlich. Ein genauer und authentischer Bericht liegt vor über die Tötung von nicht weniger als elftausend polnischen Juden mit Giftags. Sie wurden auf besonderes Exekutionsfeld bei Konin im Distrikt Warschau gebracht, in luftdicht verschlossenen Wagen gesteckt und binnen einer Viertelstunde in Leichen verwandelt. Man hat die eingehende Beschreibung des ganzen Vorganges, der Schreie und Gebete der Opfer und des gutmütigen Geläch-ters der SS-Hottentotten, die den Spaß zur Ausführung brachten. - Und da wundert ihr Deutschen euch, entrüstet euch sogar darüber, daß die zivilisierte Welt beratschlagt, mit welchen Erziehungsmethoden aus den deutschen Generationen, deren Gehirne vom Nationalsozialismus geformt sind, aus moralisch völlig begrifflosen und mißgebildete Killer also, Menschen zu machen sind? (Mann 1970 / 74-76)
+++ KdF +++ "Was Orff antrieb, gerade diesen Stoff zu vertonen, das mögen wohl die ungebrochene Lebensbejahung und der kühne dichterische Schwung dieser Lieder gewesen sein" (N.N. 1937). +++ KdF +++ "Nach diesem Chor auf die Unerbittlichkeit und Unentrinnbarkeit des dem Menschen auferlegten Schicksals wendet sich die Kantate ganz einer sinnenfrohen Lebensbejahung zu" (ebd.). +++ KdF +++ Der erste Teil führt [...] allmählich zu ausgelassener, unbändiger Daseinsfreude" (ebd.). +++ KdF +++ "Dabei sind die einzelnen Teile [...] als Ausdruck einer ungebundenen Lebenslust, Sinnen-freunde und Ausgelassenheit [...] textlich und musikalisch von hohem Reiz" (Junk 1942). +++ KdF +++ "Orffs Carmina burana, deren entzückend schwingende Leichtigkeit und Wärme [ist] wohl nirgends besser darzustellen [...] als in Wien" (N. N. 1942) +++ KdF +++ oder in:
1942/43 - Hamburg: Stadttheater
27. Juli 1943 - Deutsche Hörer! Der italienische Faschismus ist tot. Längst nahm kein Hund mehr ein Stück Brot von ihm, - geduldet war der dortzulande immer nur gerade gewesen, und als er seinen Bund mit Hitler, seinen schäbigen Krieg gegen Frankreich machte, das Land zum Nazigau degradierte, als in Rußland italiensisches Blut in Strömen floß, die Niederlagen kamen, das Imperium zum Teufel ging, da kannte die Verachtung der Jugend, der Intelligenz, des ganzen Volkes keine Grenze mehr. Die Invasion Siziliens [10.07.-17.08.1943, Erg. d. Verf.], das Bombardement von Rom [19.07.1943, Erg. d. Verf.] haben ihm den Rest gegeben. Der Führer und seine Bande sind in Gewahrsam, auch jener Herr Scorza, der Squadristi-Häuptling mit der Rizinusflache, einer der schlimmsten Schinderknechte und Killer, der im letzten Augenblick plötzlich lyrische wurde und die Radio-hörerschaft schwor, das herrliche, heilige Italien, das Wunderwerk Gottes, zu retten, - wo es sich doch ausschließlich um die Rettung seiner eigenen Haut handelte.
Wie bald, Deutsche, werdet auch ihr diese Töne vernehmen! Ich höre schon Goebbels und die Seinen von dem ewigen Deutschland mit seiner Musik, seinem Tiefsinn, seinem heiligen Kulturstätten tremolieren, für das ihr alle, ganz gleich ob ihr nun Pg. seid oder nicht, zusammenstehen müßt, um es aus der furchbarsten Krisis seiner Geschichte zu erretten. Auch sie werden verschweigen, daß die einzige Art, für sein Land zusammenzustehen, die ist, es von seinen Schändern und Verderbern zu befreien. Diese Staatsschurken, die nichts als Lüge, Gewalt und Verdbrechen kannten und ihre Länder damit an den Rand des Abrundes geführt haben, - wenn ihre Stunde schlägt, wollen sie sich hinter der natürlichen Vaterlandsliebe der Völker verschanzen, hinter der Anhäng-lichkeit an Überlieferungen und Heiligtümer, die allderdings verteidigungwürdig sind, mit denen aber ihre Niedrigkeit nicht das geringste zu tun hat und die gerade durch ihre Herrschaft tief in den Kot gezogen worden sind.
Deutsche, die Welt hofft und betet, daß ihr euch nicht dümmer, nicht allzuviele dümmer erweisen werdet als die Italiener, deren musikalische Intelligenz dermaßen falsche Sirenenklänge nicht duldet, sondern darauf mit dem Ruf "Alla porta!" antowrtet. Das ist ein politisches Volk, das den Augenblick erfaßt, da ein über und über kompromittiertes, ein völlig unmöglich gewordenes Regime fallenzulassen, über Bord zu werfen ist, und es nicht mit sich schleppt, bis alles verloren ist. Deutsche, wenn ihr euch nicht zu diesem politisch-intelligenten Entschluss aufzuraffen vermögt, wenn ihr es nicht im letzten Augenblick fertigbringt, euch des Gesindels zu entledigen, das euch und die Menschheit so Schandbares angetan hat, so ist alles verloren, Leben und Ehre.
Die Stunde der Entscheidungen setzt zum Schlagen ein. Es ist höchst unwahrscheinlich, daß Italien ernstlich fortfährt, an Hitler-Deutschlands Seite gegen
die freien Völker zu kämpfen. Das Volk hat entschieden. Es ruft auf den Plätzen nicht nur: "Nieder mit dem Faschismus", sondern auch: "Hinaus mit den Deutschen!" und "Friede!". Fällt Italien aus,
wird es zum Operationsgebiet der Alliierten, so wird binnen kurzem euren Machthabern der Balkan verloren sein, die Türkei wird offen zu den Vereinten Nationen treten, und ehe ihr's euch verseht,
wird die 'Festung Europa' nur noch die 'Festung Deutschland' sein, deren alte Stätdt unter dem Bombenhagel der alliierten Luftflotte wanken (Mann 1970 / 101/02).
+++ KdF +++ "Was Orff antrieb, gerade diesen Stoff zu vertonen, das mögen wohl die ungebrochene Lebensbejahung und der kühne dichterische Schwung dieser Lieder gewesen sein" (N.N. 1937). +++ KdF +++ "Nach diesem Chor auf die Unerbittlichkeit und Unentrinnbarkeit des dem Menschen auferlegten Schicksals wendet sich die Kantate ganz einer sinnenfrohen Lebensbejahung zu" (ebd.). +++ KdF +++ Der erste Teil führt [...] allmählich zu ausgelassener, unbändiger Daseinsfreude" (ebd.). +++ KdF +++ "Dabei sind die einzelnen Teile [...] als Ausdruck einer ungebundenen Lebenslust, Sinnen-freunde und Ausgelassenheit [...] textlich und musikalisch von hohem Reiz" (Junk 1942). +++ KdF +++ "Orffs Carmina burana, deren entzückend schwingende Leichtigkeit und Wärme [ist] wohl nirgends besser darzustellen [...] als in Wien" (N. N. 1942) +++ KdF +++ oder in:
1942/43 Mailand - Teatro Della Scala
Die Mailänder Scala wurde in der Nacht vom 15. auf den 16. August 1943 bombardiert und erlitt schwere Schäden an Decke und Wänden. Das Gebäude wurde sofort wieder aufgebaut und am 11. Mai 1946 mit einem denkwürdigen Konzert von Arturo Toscanini wieder-eröffnet. Die Eile bei der Rekonstruktion der Decke verhinderte das Auffinden von Bauteilen, die dem Original ähnlich waren, und es wurden hybride Lösungen in Stahlbeton gewählt.
27. Juni 1943 - Deutsche Hörer! Jetzt ist die Welt aufs tiefste bewegt von den Vorgängen an der Münchner Universität, wovon die Nachricht durch Schweizer und schwedische Blätter, erst ungenau, dann mit immer ergreifenderen Einzelheiten, zu uns gedrungen ist. Wir wissen von Hans Scholl, dem Überlebenden von Stalingrad, und seiner Schwester, von Christoph Probst, dem Professor Huber und all den anderen; von dem österlichen Aufstande der Studenten gegen die obszöne Ansprache eines Nazi-Bonzen im Auditorium maximum, von ihrem Märtyrertod unterm Beil, von der Flugschrift, die sie verteilt hatten und worin Worte stehen, die vieles gutmachen, was in gewissen unseligen Jahren an deutschen Universitäten gegen den Geist deutscher Freiheit gesündigt worden ist. Ja, sie war kummervoll, diese Anfälligkeit der deutschen Jugend - gerade der Jugend - für die nationalsozialistischen Lügenrvolution. Jetzt sind ihre Augen geöffnet, und sie legen das junge Haupt auf den Block für ihre Erkenntnis und für Deutschlands Ehre, - legen ihn dorthin, nachdem sie vor Gericht dem Nazi-Präsidenten ins Gesicht gesagt: "Bald werden Sie hier stehen, wo ich jetzt stehe"; nachdem sie im Angesicht des Todes bezeugt: 'Ein neuer Glaube dämmert an Freiheit und Ehre.' Brave, herrliche junge Leute! Ihr sollt nicht umsonst gestoben, sollt nicht vergessen sein. Die Nazis haben schmutzigen Rowdys, gemeinen Killern in Deutschland Denkmäler gesetzt - die deutsche Revolution, die wirkliche, wird sie niederreißen und an ihrer Stelle eure Namen verwegigen, die ihr, als noch Nacht über Deutscland un Europa lag, wußtet und verkündet: "Es dämmert ein neuer Glaube an Freiheit und Ehre (Mann 1970 / 101).
29. August 1943 - Deutsche Hörer! 'Verderber des Volkes' haben wir, denen die Hitlerei ein Grauen und Ekel war von Anbeginn, die Menschen genannt, in deren Hände, durch ein schwarzes Verhängnis, vor zehn Jahren unser unglückliches Vaterlan fiel . Als Verderber des Volks, moralisch und physisch, bewähren sie sich bis zum Äußersten. Jedermann weiß, und auch kein Reichswehr-General, kein Nazi-Bonze verhehlt es sich mehr, daß Hitler seinen Krieg verloren hat. Es steht fest und ist für immer erhärtet, daß Detuschland einen Krieg gegen die Welt nicht gewinnen kannn. Der überrumpelnde 'Blitz', auf den es allein dabei rechnen könnte, wird immer mißlingen, wie er zweimal mißlungen ist, und ein lang sich hinziehender Abnutzungs- und Verteidigungskrieg ist von vornherein hoffnungslos (Mann 1970 / 104).
30. Oktober 1943 - Deutsche Hörer! Die Bestialität der Nazis, ihr Vandalismus, ihre stupide und lasterhafte Grausamkeit, daß Maß ihrer Untaten überall, von dem ihr in Deutscland wahrscheinlich nur eine schwache Vorstellung habt, - das alles hindert niemanden in der Welt, das Entsetzen und Elend grauenvoll mitzuempfinden, das durch die englisch-amerikansichen Luftangriffe auf deusche Industrie- und Hafenstädte auch über so viele unschuldige Menschen gebracht wird. Die Zahlen - die amtlichen deutschen Zahlen - sind kraß. Eine Milliionen zweihunderttausend Zivil-Einwohner sind angeblich bei diesen Angriffen ums Leben gekommen, beinahe sieben Millionen haben Haus und Heim verloren und sind zu dem Dasein entwuzelter Evakuierter verurteilt. Glaubt nicht, daß es in der zivilisierten Welt an Mitgefühl für all dies Unglück fehlt! Aber die Art, wie die Nazipresse sich über dies Unglück ergeht; wie sie es ausnuzt, um Flüche, die dem deutschen Faschimus gebühren und von denen er wohl weiß, daß sie auf ihm ruhen, den Fluch der Barbarei, den Fluch der Schändung der Menschlichkeit, von sich ab- und dem Gegner zuzuwälzen; wie sie so tut, als habe Nazi-Deutschland nie ein Wässerchen getrübt, als sei es ein in verbrecherischer Zerstörungswut überfallenes Opfer, - das alles ist so blöde und erbärmlich, daß dem gesittetsten Herzen das Mitleid vergehen könnte (Thomas Mann 1970 / 108-09).
+++ KdF +++ "Was Orff antrieb, gerade diesen Stoff zu vertonen, das mögen wohl die ungebrochene Lebensbejahung und der kühne dichterische Schwung dieser Lieder gewesen sein" (N.N. 1937). +++ KdF +++ "Nach diesem Chor auf die Unerbittlichkeit und Unentrinnbarkeit des dem Menschen auferlegten Schicksals wendet sich die Kantate ganz einer sinnenfrohen Lebensbejahung zu" (ebd.). +++ KdF +++ Der erste Teil führt [...] allmählich zu ausgelassener, unbändiger Daseinsfreude" (ebd.). +++ KdF +++ "Dabei sind die einzelnen Teile [...] als Ausdruck einer ungebundenen Lebenslust, Sinnen-freunde und Ausgelassenheit [...] textlich und musikalisch von hohem Reiz" (Junk 1942). +++ KdF +++ "Orffs Carmina burana, deren entzückend schwingende Leichtigkeit und Wärme [ist] wohl nirgends besser darzustellen [...] als in Wien" (N. N. 1942) +++ KdF +++ oder in:
1943 - Darmstadt: "Hessisches Landestheater"
1943 - Leipzig: "Neues Theater"
30. Januar 1944 - Deutsche Hörer! "[...] Wir wurden aus unserem kleinen Auto gerissen, auf die Schultern genommen, umarmt und geküßt... Die Menschenmassen ware nicht auseinanderzubringen. Man hörte Hochrufe, Gebrüll, Weinen und Schluchzen. Aus dem Toben der Menge konnte man immer wieder die Worte vernehemn 'Es lebe England, es lebe Amerika! Wir sind gerettet! Es lebe die Freiheit!'" - So war es in Neapel, so wird es in Rom sein und noch mehr wird es so sein in den Städten Frankreichs, Hollands und Belgiens, dazu in Oslo, Kopenhagen, Prag, wenn das scheußliche Nazi-Joch von den europäischen Völkern genommen ist, wie die Welt es noch nicht erlebt hat. Tränen des Entzückens und der Erlösung werden fließen überall, und aus allen Kehlen, in allen Sprachen werden diese inbrünstigen Rufe ans deutsche Ohr schlagen: "Wir sind gerettet! es lebe die Freiheit!" Im Jubelchor wird das Wort Freiheit rund um Deutschland ertönen, das es, trotz Kant, trotz Schiller, als das leerste der Worte verachtet hat, sobald es nicht die Freiheit für Deutschland bedeutete, Gewalt zu verüben, und dessen gewaltigen Lebenssinn es nun von den Völkern des Abendlandes lernen muß (Mann 1970 / 116).
+++ KdF +++ "Was Orff antrieb, gerade diesen Stoff zu vertonen, das mögen wohl die ungebrochene Lebensbejahung und der kühne dichterische Schwung dieser Lieder gewesen sein" (N.N. 1937). +++ KdF +++ "Nach diesem Chor auf die Unerbittlichkeit und Unentrinnbarkeit des dem Menschen auferlegten Schicksals wendet sich die Kantate ganz einer sinnenfrohen Lebensbejahung zu" (ebd.). +++ KdF +++ Der erste Teil führt [...] allmählich zu ausgelassener, unbändiger Daseinsfreude" (ebd.). +++ KdF +++ "Dabei sind die einzelnen Teile [...] als Ausdruck einer ungebundenen Lebenslust, Sinnen-freunde und Ausgelassenheit [...] textlich und musikalisch von hohem Reiz" (Junk 1942). +++ KdF +++ "Orffs Carmina burana, deren entzückend schwingende Leichtigkeit und Wärme [ist] wohl nirgends besser darzustellen [...] als in Wien" (N. N. 1942) +++ KdF +++ oder in:
1943 - Weimar: "Deutsches Nationaltheater"
Wikipedia: Im Herbst 1944 wurde das Theater geschlossen und zu einer Rüstungsfabrik der Firma Siemens und Halske umfunktioniert. Amerikanische Spreng- und Brandbomben legten im Rahmen der Luftangriffe auf Weimar am 9. Februar 1945 das Theater bis auf die Fassade in Schutt und Asche.
29. Mai 1944 - Deutsche Hörer! [...] In einer Note an die alliierten und neutralen Regierungen vom Januar 1942 sagte der russsiche Minister des Auswärtigen, Molotow: "Es gibt keine Grenze für die Grausamkeiten und den Blutdurst der deutsch-faschistischen Armee bei ihrer Invasion unseres Gebietes. Die Hitler-Armee führt keinen gewöhnlichen Krieg, sondern einen Gangsterkrieg mit dem Ziel der Austilgung eines friedlichen Volkes... Das Hitler-Regime, das die Sowjetunion verräterisch angegriffen hat, respektiert weder die Satzungen des Völkerrechts noch die Forderungen menschlicher Moral. Es führt Krieg zuerst und vor allem gegen die unbewaffnete Bevölkerung, gegen Frauen, Kinder und Greise..." (Mann 1970 / 127).
+++ KdF +++ "Was Orff antrieb, gerade diesen Stoff zu vertonen, das mögen wohl die ungebrochene Lebensbejahung und der kühne dichterische Schwung dieser Lieder gewesen sein" (N.N. 1937). +++ KdF +++ "Nach diesem Chor auf die Unerbittlichkeit und Unentrinnbarkeit des dem Menschen auferlegten Schicksals wendet sich die Kantate ganz einer sinnenfrohen Lebensbejahung zu" (ebd.). +++ KdF +++ Der erste Teil führt [...] allmählich zu ausgelassener, unbändiger Daseinsfreude" (ebd.). +++ KdF +++ "Dabei sind die einzelnen Teile [...] als Ausdruck einer ungebundenen Lebenslust, Sinnen-freunde und Ausgelassenheit [...] textlich und musikalisch von hohem Reiz" (Junk 1942). +++ KdF +++ "Orffs Carmina burana, deren entzückend schwingende Leichtigkeit und Wärme [ist] wohl nirgends besser darzustellen [...] als in Wien" (N. N. 1942) +++ KdF +++ oder in:
1944 - Amsterdam: "Stadsschouwburg"
28. Februar 1944 - Deutsche Hörer! Welche Schande, der Hekatomben von Menschenleben zu gedenken, die dem trostlosen Helden dieses Buches [Konrad Heidens Hitlerbiografie, Erg. d. Verf.] zum Opfer gefallen sind und immer weiter zum Opfer fallen! Er durfte sagen: "Ich bin bereit, mit zwei Millionen Deutschen zu zahlen für die Erreichung meines Zieles", - welches Ziel, nach der Schändung Deutschlands, die Schändung der ganzen Welt durch den Nationalsozia-lismus war. Nun, die Ziffer von zwei Millionen ist längst überschritten, auch wenn man nur die im Felde gefallenen deutschen Männer rechnet. Aber das Blutkonto des totalen Krieges, den die Welt von Deutschland hat lernen müssen, ist ja ein ganz anderes, viel höheres, - und natürlich ist es nicht nur ein deutsches Konto. Man muß die Verluste Rußlands hinzunehmen, die noch höher sind. Man muß die Ernte in Anschlag bringen, die der Tod unter den vergewaltigten Völkern Europas, unter Polen und Juden, Tschechen, Griechen, Norwegern, Holländern, Jugoslawen gehalten hat und immer fortfährt zu halten, die Massenmorde, die Selbstmorde. Man muß die furchbaren Opfer vorwegnehmen, die die angelsächsischen Völker im Endkampf noch werden zu bringen haben, sie, die selber Tod und Zerstörung zu bringen verdammt sind, weil sie zu lange den Frieden wollten. Und dann möge man addieren, was der widrige Irrwisch, von dem unser Buch erzählt, die Welt gekostet haben wird. Werden es zwanzig, fünfundzwanzig Millionen Menschenleben sein? Mehr warhrscheinlich, viel mehr, wenn man alles mittelbar bewirkte Verderben mit einbezieht. Und wozu diese Ströme von Blut? Damit eine hohle Null sich rot damit aufbläht wie der Bauch einer Spinne (Mann 1970 / 120).
+++ KdF +++ "Was Orff antrieb, gerade diesen Stoff zu vertonen, das mögen wohl die unge-brochene
Lebensbejahung und der kühne dichterische Schwung dieser Lieder gewesen sein" (N.N. 1937). +++ KdF +++
"Nach diesem Chor auf die
Unerbittlichkeit und Unentrinnbarkeit des dem Menschen auferlegten Schicksals wendet sich die Kantate ganz einer sinnenfrohen Lebensbejahung zu" (ebd.). +++ KdF
+++ Der erste Teil führt [...] all-mählich zu ausgelassener, unbändiger Daseinsfreude" (ebd.). +++ KdF +++ "Dabei sind die
einzelnen Teile [...] als Ausdruck einer ungebundenen Lebenslust, Sinnenfreunde und Ausgelassenheit [...] textlich und musikalisch von hohem Reiz" (Junk 1942).
+++ KdF +++ "Orffs Carmina burana, deren entzückend schwingende Leichtigkeit und Wärme
[ist] wohl nirgends besser darzustellen [...] als in Wien" (N. N. 1942) +++ KdF +++ oder
in:
1944 - München: "Bayerische Nationaltheater"
Das Bayerische Nationaltheater wurde am 2. Oktober 1943 durch Bombenangriffe nahzu vollständig zerstört. Der Kongresssaal des Deutschen Museums
(Abb. unten) diente als Ersatzspielstätte. In der Nacht vom 24. zum 25. April fielen rund 200 Brandbomben auf das Museum, davon die meisten auf den Bibliotheksbau. Am 21. Juli 1944 verursachten
mehrere Spreng- und Brandbomben so große Zerstörungen an den Gebäuden, dass auch der Betrieb eingestellt werden mußte (vgl. Füßl/Trischler 2003: S. 152-153).
Die Mai bis XY-aufführungen konnten bis dato nicht ermittelt werden...Laut telefnischer Auskunft des Hauptstaatsarchivs sei das vom Verfasse Anfang der 2000er Jahre
eingesehene Aktenkonvolut (BayHStA: Staatstheater 14395) inzwischen versehentlich vernichtet worden.
Die Aufführungsspielstätten und -termine von Koblenz (K), Wuppertal (K), Mannheim (K), Münster (K), Zagreb (K) (1944), Budapest (1944), Breslau und Göttingen waren mit vertretbarem Aufwand nicht zu ermitteln.
Bisher konnten gleichwohl 170 Aufführungen in 22 Häusern verifiziert werden, also durchschnittlich acht Aufführungen pro Spielstätte. Multipliziert man den Durchschnitt mit den neun ergebnislos recherchierten Spielstätten (8 x 9 = 72) und addiert die Summe zu den verifizierten Aufführungen, ergibt sich eine Gesamtaufführungszahl von
242
30 Häuser
7 Spielzeiten (37/38- 43/44)
ca. 35 Aufführungen pro Spielzeit
Die Chronologie der Orff-Dokumentation (Orff 1979, Trionfi..., S. 195) nennt 10 Spielorte und Werkaufführungen.