"...die griechische Tragödie [...][ist] eine Wur-zel, eine Grundlage der gesamten abend-ländischen Kultur..." Orff 1965

 

 Tragödie           Komödie


 

 

"Wie wir hierbei das  t r a g i s c h e  element des Kunstwerks der Zukunft in Seiner Entwicklung aus dem Leben und durch die künstlerische Genossenschaft berührt haben, so dürfen wir auf das   k o m i s c h e   Element desselben durch Umkehrung derjenigen Bedingungen schließen, welche das tragische als nothwendig zur Erscheinung brachten. Der Held der Komödie wird der umgekehrte Held der Tragödie sein: wie dieer als Kommunist, d.h. als Einzelner, der durch die Kraft seines Wesens aus innerer, freier Nothwendigkeit in der Allgemeinheit aufgeht, sich unwillkürlich nur auf seine Umgebung und Gegensätze bezog, wo wird jener als Egoist, als Feind der Allgemeinheit, sich dieser zu entziehen oder sie willkürlich auf sich allein zu beziehen streben, in diesem Streben aber von der Allgeminheit in den mannigfaltigsten und abwechselndsten Gestalten bekämpft, gedrängt und endlich besiegt werden. Der Egoist wird   g e z w u n-     g e  n  in die Allgemeinheit aufgehen,  d i e s e  daher die eigentliche handelnde, vielfache Person sein, die dem immer handeln wollenden, nie aber könnenden, Egositen so lange als willkürlic wechselnder Zufall erscheint, bis sie im gedrgstesten Kreise ihn umschließt, und er,  ohne Luft zum weiteren eigensüchtigen Athmen, seine letzte Rettung endlich nur in der unbedingtesten Anerkennung ihrer Nothwendigkeit ersieht. Die künstlerische Genossenschaft, als Repräsentatn der Allgemeinheit, wird somit in der Komödie einen noch unmittelbareren Antheil an der Dichtung selbst haben, als in der Tragödie" (Wagner: Das Kunstwerk der Zukunft, S. 1330).


"Comoedia Burana"

 

"Und wenn eine Kultur am Ende ist, am eigenen Abend, wird sie sich immer ihrer Ursprünge besinnen. Und diese Besinnung und diese Bindung ist heute notwendig." [?????????????????????????????????????]

 

"Dass ich jetzt an dem Prometheus arbeite, in griechischer Sprache, ganz im Original, das ist nur ein Finale für das Ganze, für den ganzen Bogen, der von Carmina Burana bis hierher geht. Denn es ging mir nie [dar]um, ein Libretto, ein Sujet zu finden, sondern es ging mir [darum], wie ich durch die lateinische Sprache eine abendländische Bindung versuchen wollte, so gilt mir die griechische Tragödie als eine Wurzel, eine Grundlage der gesamten abendlän-dischen Kultur. Und wenn eine Kultur am Ende ist, am eigenen Abend, wird sie sich immer ihrer Ursprünge besinnen.* Und diese Besinnung und diese Bindung ist heute notwendig." Carl Orff in einem TV-Interview anlässlich seines 70ten Geburtstags, der 1965 mit einer Orff-Woche in der Stuttgarter Staatsoper festlich begangen wurde.

 

*Orff scheint hier ganz im alten NS-Zeitgeist zu argumentieren. Siehe dazu auch das  Kapitel "Hitlers Geschichtsbild".

 

 

Die Bauform* der   "Comoedia** Burana"

 

 

 Bauelemente* des griechischen Dramas

 

Prolog

Der Prolog in Tragödie und Komödie war in der Regel eine kurze Einführung, die oft von einem Chormitglied oder aber auch vom gesamten Chor gesprochen bzw. gesungen wurde. Hier wurde die Handlung vorgestellt und das Publikum auf die bevorstehenden Ereignisse vorbereitet.

 

 

Parodos

Der Parodos war ein wichtiger Teil des Dramas, in dem der Chor auf die Bühne kam und die Zuschauer begrüßte. Hier sang und tanzte der Chor oft ein einführendes Lied oder eine Hymne.

Obwohl sich Tragödie und Komödie hinsichtlich ihres Inhalts, 'Tonalität' und Dramaturgie  unterscheiden, waren Prolog und Parodos innerhalb einer Dramaform ähnlich in ihrer Funktion und Struktur.

 

In beiden Dramaformen wurden Prolog und Parodos oft musikalisch untermalt und waren wichtige Momente für den Chor, um seine Präsenz auf der Bühne zu etablieren und das Publikum auf die bevorstehende Handlung einzustimmen.

 

 

Epeisodion / Epeisodia

Ein Epeisodion war im altgriechischen Drama ein Teil mit gesprochenen Dialogen der Schauspieler, der zwischen zwei Chorgesängen eingeschoben wurde. 

 

 

Stasimon / Stasima

In der griechischen Tragödie waren die Schlusschöre, die am Ende eines jeden Epeisodions vorgetragen wurden, als "Stasima" bekannt. Die Stasima waren Musikstücke, die oft von einem Chor gesungen wurden, und dienten dazu, das Publikum über den aktuellen Stand der Handlung und die Gedanken und Gefühle der Charaktere zu informieren. In den Stasima wurden oft moralische oder ethische Fragen erörtert, und sie dienten auch dazu, die Handlung voranzutreiben und den Übergang zur nächsten Episode (Epeisodion) zu erleichtern.

 

 

Exodos

Im griechischen Drama ist der Exodos der Abschnitt am Ende des Stückes, in dem die Schauspieler die Bühne verlassen und sich der Chor noch einmal an das Publikum wendet. Der Begriff "Exodos" stammt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich "Ausweg" oder "Auszug". In diesem Abschnitt wird oft eine moralische Lehre gezogen oder ein Fazit aus der Handlung gezogen. Der Chor kann auch ein letztes Lied singen, das den Höhepunkt des Stücks noch einmal zusammenfasst oder den Zuschauern einen Ausblick auf die Zukunft gibt. Der Exodos ist somit ein wichtiger Bestandteil des klassischen griechischen Dramas und trägt oft zur Gesamtaussage des Stückes bei.

 

 

Dithyrambe(n)

Eine Dithyrambe ist eine lyrische Hymne oder ein Chorgesang aus der antiken griechischen Literatur und Musik. Ursprünglich war die Dithyrambe eine Hymne zu Ehren des Gottes Dionysos, die von einem Chor aus männlichen Sängern und Tänzern vorgetragen wurde. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Dithyrambe zu einer eigenständigen literarischen Form, die auch von anderen Dichtern und Komponisten genutzt wurde.

Die Dithyrambe zeichnet sich durch ihre rhythmische und klangvolle Sprache aus und hat oft ein feierliches oder heroisches Thema. Sie besteht aus Strophen und Refrains, die von einem Chor vorgetragen werden und oft von einem Solisten oder einem Instrumentalensemble begleitet werden. In der Dithyrambe werden oft mythologische Geschichten oder Heldentaten besungen und sie wurde als Ausdruck von Freude, Ekstase und Feierlichkeit genutzt.

 

 

Threnodie

In der antiken griechischen Tragödie war eine Threnodie ein Gesang oder eine Rede, die von einem Chor oder einem Schauspieler vorgetragen wurde, um Trauer oder Klagelieder auszudrücken. Der Begriff "Threnodie" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Klagegesang".

Die Threnodie wurde in der Tragödie oft als Ausdruck von Trauer und Schmerz verwendet, insbesondere wenn sich ein Charakter mit einem tragischen Verlust oder einer schrecklichen Situation auseinandersetzen musste. Die Threnodie war auch ein wichtiger Bestandteil der griechischen Totenkulte und wurde bei Beerdigungen und Trauerfeiern aufgeführt.

Der Gesang oder die Rede in einer Threnodie war in der Regel von einer langsamen, schweren Musik begleitet, die dazu beitrug, die Stimmung der Trauer und des Schmerzes zu verstärken. Die Threnodie hatte oft eine formale Struktur, die sich von anderen Chorgesängen in der Tragödie unterschied, und enthielt oft wiederkehrende Motive und Rhythmen.

Die Threnodie war ein wichtiger Bestandteil der antiken griechischen Tragödie und wurde auch in anderen literarischen Genres wie der Lyrik und der Epik verwendet. In der zeitgenössischen Literatur wird der Begriff manchmal verwendet, um eine Klage oder ein Klagelied zu bezeichnen, das einen Verlust oder eine Tragödie ausdrückt.

 

 

Monodie

Im Gegensatz zum Kommos, der ein musikalischer Dialog zwischen mehreren Charakteren war, wurde die Monodie (griechisch "monos" für "einzig" und "ode" für "Gesang") von einem einzelnen Schauspieler vorgetragen, es ist also ein musikalisches Solo-Stück für eine einzelne Stimme oder ein einzelnes Instrument. In der antiken griechischen Literatur bezieht sich der Begriff auf eine Art von lyrischem Gedicht, das von einem einzelnen Sänger oder einer Sängerin vorgetragen wurde, begleitet von einem Instrument wie der Lyra oder der Kithara.

Die Charaktere, die eine Monodie sangen, konnten sehr unterschiedlich sein, da sie von den Umständen und der Handlung des Stücks abhängig waren. Eine Monodie wurde jedoch oft verwendet werden, um tiefe emotionale Zustände wie Trauer, Verzweiflung, Wut oder Liebe auszudrücken.

Die Monodie wurde auch in anderen Arten von lyrischen Gedichten wie der Epode, der Elegie und der Ode verwendet.

Die Monodie hatte oft eine freie Form, die sich von der strengeren Struktur anderer lyrischer Gedichte wie der Hymne oder der Chorlieder unterschied. Die Musik und der Text waren eng miteinander verbunden, so dass die Worte und die Melodie eine tiefe emotionale Wirkung auf die Zuhörer hatten. Die Monodie war ein wichtiger Bestandteil der antiken griechischen Literatur und hat auch in späteren Epochen der Musik und Dichtung einen bedeutenden Einfluss ausgeübt.

 

Kommos

Der Kommos ist ein vom Chor und vom Solosänger gemeinsam gesungenes Lied  (Aristoteles, Poetik  S. 10). Er stellt im griechischen Drama in der Regel einen Klagegesang dar. In einigen Fällen konnte der Kommos aber auch eine freundige Stimmungen zum Ausdruck bringen, wenn die Charaktere beispielweise ihre Glückseligkeit über einen bestimmten Erfolg oder ihre Erleichterung ausdrücken wollten. Als Bestandteil eines Epeisodions ist der Kommos in der Regel der emotionale Höhepunkt eines Dramas. Es singen abwechselnd ein Schauspieler und der Chor. Der Wechselgesang handelt meist von Götter- und Heldensagen. Der Schauspieler trägt vor und der Chor erwidert darauf emotional mit Jubel oder Furcht.

 

 

Embolima

Instrumentale, nicht vokale Intermezzi zwischen den Epeisodia. Diese musikalischen Einlagen wurden von Flöten, Lyras oder anderen Instrumenten begleitet und dienten dazu, eine Pause zwischen den Akten zu füllen und das Publikum zu unterhalten. Die Embolima wurden auch verwendet, um eine bestimmte Stimmung oder Atmosphäre zu erzeugen, die mit der Handlung des Stücks in Verbindung stand. So konnten zum Beispiel traurige oder bedrohliche Musikstücke verwendet werden, um die Spannung zu erhöhen oder das Publikum auf eine bevorstehende Katastrophe vorzubereiten. In einigen Fällen wurden auch Tänze oder choreografierte Bewegungen in die Embolima integriert, um das Publikum weiter zu unterhalten. 

 

*     Hier wird auf den von Walter Jens (1971) eingeführten Begriff ("Bauformen") rekurriert.

**  Comoedia spielt auf Dante Alighieris "Commedia", später dann aus Bewunderung und Verehrung für den

       Kollegen von Giovanni Boccaccio auch "Commedia Divina" genannt an. Von der war möglichicherweise,

       wie an anderer Stelle zu zeigen sein wird, Orffs "Comoedia Burana" inspiriert.