„Heil, erhab’ne Sonne! Heil! Heil!“ (1937)

     Quellenangabe unten…

 

 

"Das Rad der Fortuna (Karte X) - in Orffs Carmina Burana als grosses Lebens-gesetz an Anfang und Ende gestellt - hat Wurzeln u. a. in der Sonnenradsym-bolik vieler Kulturen, im Buddhismus erscheint es als Rad des Lebens und Rad der Lehre, frühchristlich kommt es als Rad der Ewigkeit vor, in der europäischen Spätantike ebenfalls als Lebensrad. Die römische Göttin des Schicksals, später nur des Glücks, Fortuna selber dreht dieses Rad des Lebens, wir finden sie in dieser Verbindung mit Rad oder Kugel besonders häufig in Darstellungen der Renaissance" (aus Programm der Stuttgarter Hofkonzerte 1995, S. 12, hier zitiert nach Antons 2007: S.6). 

 

 

 

"...Kreuz und Hakenkreuz die Symbole der Sonne"

 

"Die nordischen Götter waren Lichtgestalten mit Speer und Strahlenkranz, Kreuz und Hakenkreuz die Symbole der Sonne, des fruchtbringenden, aufsteigenden Lebens. Seit weit über 3000 v.Chr. trugen die nordischen Völkerwellen diese Zeichen nachweislich nach Griechenland, Rom, nach Troja, Indien" (Rosenberg 1934 (Mythus...): 165).

 

 

"es [...] steht überall auf das engste in Verbindung mit der Sonne, der Widerkehr des Lichtes, dem wiederkehrenden Leben, dem Kreislauf des Geschehens, der Unendlichkeit."

 

"In mühevoller, wissenschaftlicher Kleinarbeit datiert man jeden einzelnen zutage gekommenen Hakenkreuzfund genau. Wenn man dies durchgeführt hat, so ergibt sich, daß in den einzelnen Ländern das Hakenkreuz erst in zeitlich aufeinanderfolgenden Abständen auftaucht, und zwar immer jünger, je weiter von Europa weg. Wir haben dann einen weiteren untrügerischen Beweis, daß das Sinnbild des Hakenkreuzes von einer Stelle der Erde aus seine Verbreitung genommen hat. Überall ist es eben nicht nur bloßes Ornament, sondern es hat zugleich glückverheißende und unheilabwendende Bedeutung, steht überall auf das engste in Verbindung mit der Sonne, der Widerkehr des Lichtes, dem wiederkehrenden Leben, dem Kreislauf des Geschehens, der Unendlichkeit" (Lechler 1934: 2).

 

 

"Wahrzeichen der Sonne"

 

"Es besteht aus drei Teilen, dem Kreise, dem Kreuze und den Haken. Der Kreis gilt meines Wissens unbestritten als Wahrzeichen der Sonne und so soll uns das Hakenkreuz an die Sagenbilder der nordischen Völker vom Aufsteigen und dem Niederstieg der Sonne heranführen und an die allbelebende Kraft der Sonne verweisen und deutet damit auf das Göttliche selbst hin. [...] Ob man nun das Hakenkreuz ohne umringenden oder mitumringenden Kreis darstellt, in den Haken ist einmal die Bewegtheit des Lebens, dann aber auch die Gebrochenheit des Lebens darstellt" (Siebert 1932: 9).

 

 

Let the sun-rune spark, Swastika radiant in the dark

 

Blue night with mild waves!

In the open country, the cry of the delighted rings,

Where still Holle's bushes bloom.

Fire shines through the valleys,

Like Balder's monuments,

And from the wheel sparks glow,

Let the sund-rune spark,

Swastika radiant in the dark,

Be welcome, exalted Phol!

A thousand standing-stones counsel,

Druidic wisdom, Edda, Vedas,

From you, eternal "symbol"!

 

"These are the words of Solstice (Sonnenwende), an anonymous poem first published in the German journal Heimdall in 1899. It glorifies the swastika, an ancient symbol known in an Old Norse source as the sólarhvel (“sun-wheel”). The poem, drawing on a farrago of references to German, Norse, Celtic and Indian traditions, is typical of many contributions which appeared in journals from Wilhelmine times with titles that evoked antiquarian themes—Heimdall is the god who guards the way to heaven in Old Norse myth" (Mees 2008: 11). 

 

 

 

Entwurf III von Adolf Hitler

Entwurf III sagt mir stark zu.

Der Rand ist goldfarben. Das Hakenkreuz ist silberfarben (ein uralates, heiliges Zeichen das Sinnbild der Sonne)

Auch sind die Farben "schwarz-weiß-rot" enthalten.

4 September 1920

(Hitler in Jäckel 1980: 1266)

 

Wenn auch in diesem hohen Norden diese Kraft nicht zum Ausdruck kommen konnte, sie wurde in dem Augenblick fähig wirksam zu werden, in welchem die Eisfesseln sanken und der Mensch hinunterzog nach dem Süden in eine günstige, glückliche, freie Natur. Wir wissem, daß allen diesen Menschen ein Zeichen gemeinsam blieb:   d a s   Z e i-      c h e n   d e r   S o n n e.  Alle ihre Kulte bauen sie auf Licht, und sie finden das Zeichen, das Werkzeug der Feuererzeugung, den Quirl, das Kreuz. Sie finden dieses Kreuz als Hackenkreuz [sic] nicht nur hier, sondern genau so in Indien und Japan in den Tempelpfosten eingemeißelt. Es ist das Hackenkreuz der einst von arischer Kultur gegründeten Gemeinwesen. Diese Rassen nun, die wir als Arier bezeichnen, waren in Wirklichkeit die Erwecker all der späteren großen Kulturen, die wir in der Geschichte heute noch verfolgen können. Wir wissen, daß Ägypten durch arische Einwanderer auf seine Kulturhöhe gebracht wurde, ebenso Persien, Griechenland; die Einwanderer waren blonde, blauäugige Arier, und wir wissen, daß außer diesen Staaten überhaupt keine Kulturstaaten auf dieser Erde gegründet wurden. Es entstanden wohl Mischrassen zwischen der schwarzen, dunkeläugigen dunkelfabigen Südrasse und den einwandernden Nordrassen, aber es entstanden keine selbständigen großen schöpferischen Kulturstaaten (Hitler in Jäckel 1980: 185-86)     

 

 

Der goldene Saal  (335m2 - 8 Meter hoch) in der Zeppelin-Tribüne des Nürnberger Reichsparteitagsgeländes, Architekt: Albert Speer.                                                                                                                        

© Foto: Ra Boe / Wikipedia / Lizenz: Creative Commons CC-by-sa-3.0 de

 

 

"Es gibt einen Entwurf für den Buchumschlag des ersten Bandes von „Mein Kampf“ von Hitlers Hand. Der Titel lautet hier noch „Die germanische Revolution“. Über dem Titel weht eine Fahne mit Hakenkreuz, das zugleich den Mittelpunkt einer den ganzen Umschlag überstrahlenden Sonne bildet" (Piper 2005: 2004).

 

Pipers Quellenangabe leitet zu Maser 1981: 64f (Abbildung rechts). Im Abbildungskommentar  heißt es weniger eindeutig auf Mein Kampf verweisend:

Abb. 6: Entwurf eines Bucheinbandes von Adolf Hitler und vier Ausgaben von "Mein Kampf" von 1925, 1930, 1935 und 1947 [Kursivsatz im Original]

 



"Baldur Wieborg" war ein Stürzer einer alten Zeit, war der Geisteshammer einer bevorzugten Rasse, der mit prüfenden, ersten Hammerschlägen am Neuen schmiedete, das kommen sollte und mußte. Die asische Reinrasse hielt ihn voll Stolz für einen der unbeirrbaren   S o n n e n s ö h n e, die das Herrenrecht auf Atlantis für das ungemischte Blut nordischen Stammes vertraten" (Frühling in Atlantis, S. 135).

 

 

Der deutsche 'Sonnenkönig' 

Adolf Hitler  alias

Echnaton vom Inn



Monatsschrift für nordische Weltanschauung und Lebensgestaltung

auf wissenschaftlicher Grundlage  (1924-1939).

G. E. Doepler; Odin, der Göttervater (um 1890)




 

 

AP V 22 , S. 101

Die Sender zeigen an: Brief des Deutschland-Sender. „Die Saat der Sonne“ (unter Leitung von Carl Orff), in: R.R.G.-Pressemitteilungen, Nr. 455, 26.2.1935.

 

 

Das Schicksalsrad im Strahlenkranz der Sonne.

Bühnenbild (Ludwig Sievert) der Münchner Carmina Burana - Inszenierung Früh-jahr 1944 (Deutsches Museum).

 

 



“Die Saat der Sonne"

 

 

"Anfang 1935 allerdings beteiligt sich das 'exotische' Instrumentalensemble der Günther-Schule gemeinsam mit Gunild Keetman und Carl Orff an der musikalischen Gestaltung des Hörspiels Die Saat der Sonne für den Deutschlandsender. Der Text der dem NS-Regime nahestehenden Autoren und Regisseure Willi Grunwald und Fank Leberecht vermittelte ein ideologisch verzerrtes und damit verfälschtes Bild von der Geschichte des Inkastaats." Rösch, Thomas: Carl Orff 1895-1982 - Der Lebensweg eines Musiktheaterkomponisten im 20. Jahrhundert. Homepage des Orff-Zentrums München.

 

 

 

„Heil, erhab’ne Sonne! Heil! Heil!“ (1937)             

    


Text: Ludwig Andersen alias Ludwig Strecker [der Jüngere] * 13.01.1883-15.09.1978 (siehe Wikipedia "Ludwig Strecker der Jüngere")


 

 

Die politische Theologie des Lichts: Hitler im solaren Bannkreis

 

Diese spezifische visuelle Inszenierung ist weit mehr als bloße Propaganda; sie ist der Versuch, eine moderne Diktatur in das Gewand einer archaischen politischen Theologie zu hüllen. Wenn das Antlitz Adolf Hitlers in den Strahlenkranz der Sonne gebettet wird und mit der Symbolik der Swastika verschmilzt, verlässt die Darstellung den Boden der profanen Politik und betritt das Reich des Mythischen.

I. Der Führer als Sol Invictus: Die unbesiegte Sonne

In der nationalsozialistischen Ikonografie wurde Hitler als eine Gestalt stilisiert, die nicht durch Wahl, sondern durch eine kosmische Notwendigkeit – die „Vorsehung“ – legitimiert war. Indem sein Haupt im Zentrum einer strahlenden Aura platziert wurde, reaktivierte die NS-Ästhetik den antiken Kult des Sol Invictus, der unbesiegten Sonne. Die Botschaft war unmissverständlich: Hitler ist der Fixpunkt, um den sich das Schicksal der Nation dreht. Wie das Gestirn am Himmel ist er die einzige Macht, die die „Nacht“ der Weimarer Republik und das vermeintliche Chaos der Feinde vertreiben kann.

II. Die Swastika als Sonnenrad: Die Dynamisierung des Mythos

Das Hakenkreuz fungiert in dieser Komposition als der entscheidende Motor. Die NS-Ideologen deuteten die Swastika konsequent als Sonnenrad um und verliehen der statischen Aura damit eine gefährliche Dynamik:

  • Das Rad des Schicksals: Das Hakenkreuz symbolisierte die Sonne in ihrem Lauf – den ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen. Hitler wurde als derjenige inszeniert, der dieses Rad nach einer Zeit der Agonie wieder in Gang gesetzt hatte.
  • Vom Licht zum Feuer: Während die Sonne wärmt, brennt das Rad. Die Abwinkelung der Balken suggeriert eine Rotation, eine Zentrifugalkraft, die alles „Artfremde“ aus dem glühenden Kern der Volksgemeinschaft hinaussschleudert. Die Swastika wirkt hier wie ein Brennglas, das das diffuse Licht der Vorsehung auf einen tödlichen Punkt konzentriert.

III. Die missbrauchte Aureole: Die Apotheose des Tyrannen

Die Nationalsozialisten bedienten sich skrupellos bei der christlichen Ikonografie. Der Strahlenkranz – der Nimbus, der traditionell Christus vorbehalten war – markiert den Übergang von der Politik zur Ersatzreligion:

  • Licht als absolute Wahrheit: Wer im Zentrum des Lichtscheins steht, beansprucht Unfehlbarkeit. Widerspruch wurde in dieser Bildsprache von einer politischen Meinung zu einer Form der Blasphemie verklärt.
  • Rassifizierung des Glanzes: Durch die Verbindung mit der Swastika wurde das Sonnenlicht zu einem exklusiven „arischen“ Erbgut erklärt. Das Licht scheint in diesen Darstellungen nicht für alle Menschen; es ist ein völkisches Licht, das nur jene erleuchtet, die „blutsmäßig“ dazugehören.

IV. Die heroisch-kühle Mystik und die totale Blendung

In der NS-Symbolik war das Licht nicht warm oder universell, sondern oft heroisch-kühl und schneidend. Es diente der psychologischen Überwältigung:

  • Die monumentale Blendung: Wer in die gleißende Sonne blickt, wird kurzzeitig blind; der kritische Verstand setzt aus. Die geometrische Strenge der Swastika verlieh der wilden, mystischen Lichtsymbolik eine kalte, technokratische Ordnung.
  • Der Lichtdom: Diese zweidimensionale Grafik fand ihre Vollendung in der Architektur, etwa im „Lichtdom“ der Reichsparteitage, der Hitler zum leuchtenden Epizentrum einer neuen, schrecklichen Weltordnung erklärte.

Fazit

 

Diese Ikonografie ist das perfekte Beispiel für eine pervertierte Metaphysik. Das älteste Symbol der Menschheit für das Leben – die Sonne und ihr radförmiges Sinnbild – wurde untrennbar mit der Person des „Führers“ verknüpft. Ziel war es, die Geschichte in eine schicksalhafte Naturgeschichte zu verwandeln und eine Ideologie der Vernichtung grafisch als „lichtbringende Tat“ zu tarnen, um die tiefen Schatten der moralischen Finsternis zu überstrahlen.

 

 

 

 

»die Vermählung […] zwischen den Symbo-len der alten Größen und der jungen Kraft.«

 

 

Treu war ich dir stets und bin

Fest an dir gehangen.

Ohne Wank und Hinterhalt

Wollen wir uns   m i n n e n!

 

 

4 Omnia sol temperat

Bariton-Solo

 1-3 von 4 Versen

 

 

Ist der Frühlingssonnenschein

Auch bei dir so mächtig?

Lacht die Welt im neuen Licht

Auch bei dir so prächtig?

Kam die   a l t e   L i e b e  (SvV) nicht

N e u   (SvV) in deine Seele?

Wartest du bis Amor selbst

Sie dir anbefehle?

 

Fühlst du, wie die ganze Welt

Sich im Lenz erneuert

Und ein frischer Lebendrang

Unser Herz befeuert?

Kennst du noch den Liebespfad,

den wir oft gegangen?

 

Treu war ich dir stets und bin

Fest an dir gehangen.

Ohne Wank und Hinterhalt

Wollen wir uns   m i n n e n! (SvV)

Dann gehörst du ewig mir

Ganz mit Herz und Sinnen.

 

 

 

 

Ich will immer bei dir sein

Auch in fernster Ferne!

Jede Marter leide ich

Dir zuliebe gerne!

 

 

 

 

 

 

 

 

„Am 5. März hat sich das Volk entschieden und in seiner Mehrheit zu uns bekannt. In einer einzigartigen Erhebung hat es in wenigen Wochen die nationale Ehre wiederhergestellt und dank ihrem Verstehen, Herr Reichspräsident, die Vermählung vollzogen zwischen den Symbolen der   a l t e n   Größen und der  j u n g e n (SvV) Kraft.“ AH am 21.03.2022 – Garnisonskriche von Potsdam.

 

 

siehe "Veris leta facies"

 

 

 

 

 

 

 

 

"[...] und dank ihrem Verstehen, Herr Reichspräsident, die    V e r m ä h l u n g   (SvV) vollzogen zwischen den Symbolen der alten Größen und der jungen Kraft" (ebd.).

 

 

Treueschwüre

 

Reichswehr:   E i d e s f o r m e l   vom 02.12.1933

"Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, daß ich Volk und Vaterland treu und redlich dienen und als tapferer und gehorsamer Soldat bereit sein will, jederzeit für diesen Eid mein Leben einzusetzen."

 

Schutzstaffel (SS):   E i d e s f o r m e l

"Ich schwöre Dir, Adolf Hitler, als Führer und Kanzler des Deutschen Reiches, Treue und Tapferkeit. Ich gelobe Dir und den von Dir bestimmten Vorgesetzten Gehorsam bis in den Tod! So wahr mir Gott helfe!"

 

Beamte:  E i d e s f o r m e l   20.08.1934  "Ich schwöre: ich werde dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, treu und gehorsam sein, die Gesetze beach-ten und meine Amtspflichten gewissenhaft erfüllen, so wahr mir Gott helfe."

 

Parteieintritt: E i d e s f o r m e l

„Ich gelobe meinem Führer Adolf Hitler Treue. Ich verspreche, ihm und den Führern, die er mir bestimmt, jederzeit Achtung und Gehorsam entgegenzubringen.“

 

 

 


 

 

Vermählung 'die Zweite'

 

"Im Auftrag  des Herrn Reichspräsidenten verkünde ich dem deutschen Volke folgenden Erlaß des Reichspräsidenten:

 

'Am heutigen Tage, an dem in ganz Deutschland die alten schwarz-weiß-roten Fahnen zu Ehren unserer Gefallenen auf Halbmast wehen, bestimme ich, daß vom morgigen Tage ab bis zur endgültigen Regelung der Reichsfarben die schwarz-weiß-rote und Hakenkreuzflagge gemeinsam zu hissen sind. Diese Flaggen verbinden die ruhmreiche Vergangenheit des Deutschen Reiches und die kraftvolle Wiedergeburt der deutschen Nation. Vereint sollen sie die Macht des States und die innere Verbundenheit aller nationalen Kreise des deutschen Volkes verkörpern. Die militärischen Gebäude hissen nur die Reichskriegsflagge'.

 

Berlin, den 12. März 1933. Der Reichspräseident: von Hindenburg.

 

Mit diesem Erlaß hat der Reichspräsident bis zur endgültigen Regelung von sich aus verfügt, daß die Fahne der nationalen Erhebung nunmehr auf den Staats- und öffentlichen Gebäuden - neben unserer unvergeßlichen ehrwürdigen Traditionsfahne des alten Deutschen Reiches künftig zu wehen hat. Nationalsozialisten, die ihr in dieser Stunde mithört, SA. - und SS.-Männer! Damit ist auch nach außen hin sichtbar durch diese   V e r m ä h l u n g  (SvV) der Sieg der nationalen Revolution gekennzeichnet. Uns alle muß in dieser historischen Stunde, da wir gerade zurückkehren von den Feiern unserer toten Kameraden, neben dem Gefühl der tiefen Dankbarkeit für den hochherzigen Entschluß des Generalfeldmarschalls eine stolze Befriedigung erfüllen.[...]"

 

AH Rundfunkansprache vom 12. März 1933, nach Domarus 1988, S. 220/221, demnach auch in VB Nr. 72 v. 13.03.1933.

 

                  Berlin Zeppelinfeld am 1. Mai 1933

ebd.


                   Screenshot aus NS-Doku

 

                  Screenshot aus "Hitlerjunge Quex" - das Hakenkreuz im Zentrum "der Traditionsfahne des alten

             deutschen Reiches". 

 

»Die Vermählung" von Potsdam: Eine sakrale Inszenierung des Verrats

 

Der 21. März 1933 war kein gewöhnlicher Staatsakt; er war eine meisterhaft choreografierte politische Liturgie. In der Potsdamer Garnisonkirche, dem steinernen Reliquienschrein des Preußentums, wurde eine symbolische „Vermählung“ vollzogen, die darauf abzielte, die moralische Autorität des alten Kaiserreichs auf das radikale neue Regime zu übertragen.

 

 

I. Der Altarraum als Traualtar der Macht

Die Zeremonie folgte nicht dem Protokoll eines Parlaments, sondern der Dramaturgie eines Gottesdienstes. In einem beispiellosen Bruch mit der Tradition wurden die zentralen Reden von Reichspräsident von Hindenburg und Reichskanzler Adolf Hitler direkt im Altarraum der Kirche gehalten.

Wie bei einer kirchlichen Trauung standen sich der greise Generalfeldmarschall in seiner kaiserlichen Uniform und der „einfache Gefreite“ im bürgerlichen Cutaway gegenüber. Unter den Augen der versammelten Generalität und vor dem Altar Gottes gaben sie sich das rituelle Ja-Wort. Es war die ästhetische Behauptung, dass der Nationalsozialismus nicht durch Umsturz, sondern durch eine heilige Allianz mit den alten Mächten legitimiert sei.

 

II. Der leere Thron: Das Geisterreich auf der Empore

Während unten im Altarraum die reale Macht verhandelt wurde, sandte die Regie ein mächtiges Signal an die monarchietreuen Eliten: Auf der Empore der Garnisonkirche war ein Ehrenplatz für den im niederländischen Exil lebenden Kaiser Wilhelm II. reserviert worden.

Dieser leere Stuhl fungierte als metaphysische Brücke. Er suggerierte, dass der Thron nur vorübergehend verwaist sei und Hitler lediglich als Statthalter fungiere, der den Weg für eine Rückkehr der Hohenzollern ebne. Die Anwesenheit des Kronprinzen Wilhelm in der Uniform der Totenkopfhusaren verstärkte die Illusion einer lebendigen Kontinuität. Der Kaiser war als „Geist“ geladen, um der Verbindung seinen Segen zu geben.

 

III. Die heraldische Amalgamierung: Das Hakenkreuz im Herzen von Schwarz-Weiß-Rot

Die optische Krönung dieser Übergangsphase war eine hybride Flagge, die den Betrug grafisch vollendete. In jenen Tagen wehten nicht nur die kaiserlichen Farben und die Hakenkreuzbanner nebeneinander; es entstanden Abbildungen der alten Reichsflagge (Schwarz-Weiß-Rot), die in ihrer Mitte ein Hakenkreuz trugen.

Diese Flagge war die visuelle Kapitulation der Tradition:

  • Die Besetzung des Kerns: Das Hakenkreuz rückte in das Zentrum der preußischen Farben. Es signalisierte, dass das alte Reich zwar den Rahmen bot, das „Herz“ aber bereits nationalsozialistisch transformiert war.
  • Die trügerische Einheit: Für das Volk wirkte diese heraldische Kreuzung wie eine organische Verschmelzung. Es war die grafische Umsetzung des Versprechens von Potsdam: Die preußische Ordnung dient als Fundament für die radikale „Erneuerung“.

IV. Das Ende der Geschichte in der Gruft

Doch die Vermählung war eine feindliche Übernahme unter falscher Flagge. Als Hindenburg nach dem Festakt allein in die Gruft Friedrichs des Großen hinabstieg, um stumme Zwiesprache mit dem „Alten Fritz“ zu halten, wurde das wahre Preußen symbolisch zu Grabe getragen.

Nur zwei Tage später wurde das Ermächtigungsgesetz verabschiedet. Die reservierten Plätze für den Kaiser blieben für immer leer, und die hybriden Flaggen wurden bald durch die reine Hakenkreuzfahne ersetzt. Die „Ehe“ war vollzogen, und der Partner – das alte Kaiserreich – hatte seine Schuldigkeit als Legitimationsspender getan. Der Tag von Potsdam bleibt das ultimative Mahnmal dafür, wie eine verbrecherische Ideologie die Gewänder einer ehrenvollen Geschichte missbraucht, um eine Nation in den Abgrund zu führen.