„Mein dunkelstes Werk sind Carmina Burana.“
(Carl Orff nach Thomas 1990: 31)
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in demonstratver Abgrenzung bzw. 'Konkurrenz'...
79 Tage nach der aufsehenerregenden und mit heftigen Repressalien des NS-Regimes sanktionierten Verlesung der Enzyklika von allen katholischen Kanzeln und 44 Tage nach der Bombardierung von Guernica erfolgte ganz 'unbesorgt' am 08. Juni 1937 die Uraufführung der Carmina Burana in Frankfurt am Main.
Am selben - notabene - Dienstag und zur selben Stunde eröffnete der ADMV (Allgemeiner Deutscher Musik Verein) seine letzte, mit Veranstaltungen in Darmstadt und Frankfurt geplante Jahresversammlung (8.-13. Juni 1937) im Hessischen Landestheater Darmstadt. Auf dem Programm stand der Diener zweier Herren von Arthur von Kusterer. Die Uraufführung der CB hat also nicht, wie nicht nur von Orff prätentiös behauptet wurde, im Rahmen der ADMV-Tagung stattgefunden, sondern dazu in mehr als deutlicher Abgrenzung, Distanzierung, ja, Konkurrenz, bis hin zu einem standesgemäßen Empfang im Frankfurter Palmengarten, während der ADMV in der Darmstädter Orangerie zu einem Stelldichein geladen hatte. Hier, in Frankfurt, wurde musikalisch der Aufbruch in die neue Zeit gefeiert und dort, in Darmstadt, das Ende, der Untergang der alten.
Orffs Schüler Werner Egk hatte ganz in diesem Sinne bereits in einem Beitrag - "Pflicht zur Auslese" - für die "Völkischen Kultur" (Jahrgang ) zur Programmgestaltung des ADMV kritisch Stellung bezogen und gefordert:
"Jedenfalls ist schon viel erreicht, wenn man von vornherein alles ausschscheidet, was die Tonsprache der spätromantischen, liberalistischen Epoche spricht, die ja ihre Entstehung der geistigen Haltung dieser Zeit verdankt. Untrügliche Kennzeichen dieser Tonsprache sind die Zerdehnung und Wucherung der symphonischen Entwicklungsvorgänge, eine ungesunde Chromatik, die spekulative Konstruktion aus gedanklich belasteten Motivzeilen. Abzulehnen ist aber auch die Musik, die ausschließlich als
Erst die Wiederholungsaufführung der CB am 12. Juni, die im ADMV-Festprogramm falsch als Uraufführung ausgewiesen ist, fand im Rahmen der ADMV-Tagung statt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Näheres dazu unten in: Geschichtsklitterung
"Diese im Rahmen des Tonkünstlerfestses geplante [dann aber dort nicht erfolgte (Anm. d. Verf.)] Uraufführung wurde zur letzten Veranstaltung des noch von Franz Liszt gegründeten Allgemeinen Deutschen Musikvereins, der damit seine achtundsechzigjährige erfolgreiche Tätigkeit auf höhreren Befehl beenden musste. [...] Die zweite Aufführung der Carmina Burana am 12. Juni, vor allem für die Partei angesetzt [tatsächlich aber die erste Aufführung im Rahmen des Tonkünstlerfestes], brachte nur einen reservierten Erfolg" (Orff 1979: S. 66).
Oliver Rathkolb (2021) übernimmt Orffs Legende zur Uraufführung offenbar ungeprüft bzw. interpretiert die Aussage des Kritikers Heinz Fuhrmann unzutreffend:
"Schließlich fand die Uraufführung der Carmina Burana am 8. Juni 1937 in Frankfurt am Main als Abschluss-veranstaltung des Tonkünstlerfestes des Allgemeinen Deutschen Musikvereins statt" (66).
"Fuhrmann erwähnte - wie auch Orff in der Befragung durch die US-Verhöreinrichtung, dem Screening Center -, dass die Carmina Burana nicht im Rahmen einer Veranstaltung des Propagandaministeriums aufgeführt wurden, sondern den Abschluss des letzten Tonkünstlerfestes des Allgemeinen Deutschen Musikvereins bildeten (92).
"Die Uraufführung fand am 8. Juni 1937 in Frankfurt am Main statt. Oskar Wälterlin hatte die Regie übernommen, Ludwig Sievert das Bühnenbild entworfen, Bertil Wetzelberger dirigierte. Es war die letzte Veranstaltung des von Franz Liszt 1861 in Weimar gegründeten Allgemeinen Deutschen Musikvereins" (Gersdorf 2002: 84).
Dass "die zweite Aufführung" [...] nur einen reservierten Erfolgt" gebracht hatte, mag wohl in erster Linie daran gelegen haben, dass sich die Mitglieder des Tonkünstlerfestes von Orffs 'Konkorrenzveranstaltung' am 8. Juni düpiert sahen. Selbst Herbert Gerigks überwiegend, aber nicht nur negative Kritik für den Völkischen Beobachter (süddeutsche Ausgabe vom 16.06.1937), wird von diesem Affront beieinflusst gewesen sein. Er hatte Orffs Gesinnungsanbiederung offenbar in mehrfacher Hinsicht nicht verstanden. Denn in seiner Kritik spricht er nicht nur beckmesserisch auf die "nicht historisch stilreinen" Kostüme, sondern auch entgegen der oben präsentierten Verlagsankündigung, wie mit ihm etwa 5 Prozent der Musikkritiker, vom im Bühnenhintergrund rollenden "Rad der Glücksgöttin". Orffs Behauptung, dass die Wiederholungsaufführung vom 12. Juni "vor allem für die Partei angesetzt" worden sei, wurde weder von ihm noch bis dato von der institutionalisierten Orff-Forschung (u. a. Orff-Zentrum) belegt. Die Parteibonzen werden am Uraufführungstag vermutlich in Darmstadt bei der Muskfesteröffnung gewesen sein, um in der Orangerie auf ihren Gleichschal-tungserfolg anzustoßen.
Die einzig Nicht anders verhält es sich mit Peter Hanser-Streckers Legendenbildung. In der TV-Doku "Noten für die Welt - 250 Jahre Schott-Verlag" (Wasner 2020) lässt er hinsichtlich der Uraufführung vom 08. Juni seiner Phantasie freien Lauf: "Die Uraufführung war 1936 [sic] in Frankfurt. [...] In den ersten sieben Reihen saßen nur Nazis und Bonzen, wie es so schön hieß, und das Stück war zu Ende, und alle waren begeistert, aber trauten sich nicht zu klatschen - also Totenstille. Bis dann eine glockenhelle Mädchenstimme sagt: "Du, Papi, warum klatschen denn die Ärsche [sic] nicht"? Das war die Tochter von Orff. Dann sind die sofort aufgestanden in diesen sieben Reihen, haben das Haus verlassen. Und dann kam ein tosender Beifall. Es war also ein riesen Erfolg, trotz Nazis." In den Erinnerungen der benannten Tochter heißt es aber nicht zur Ur-, sondern zur Wiederholungsaufführung deutlich untheatralischer und auch im Widerspruch zu den Aussagen ("reservierter Erfolg") des Vaters:
"Zweite Vorstellung: neue Sorgen. Die Spitzen der Partei [also keine ersten sieben Reihen, wie es Hanser-Strecker bewusst 'aufmotzend' behauptet] - wir sind ja im "tausendjährigen Reich!" - werden entscheiden [auch dafür gibt es bis dato keinen Beleg], ob man dieses Stück genehmigen könne. [Auch für dieses Behauptung ist bis dato kein Beleg veröffentlicht worden. Anm. d. Verf.] Der erste Teil verklingt. Der Dirigent macht eine Pause, wartet oder hofft auf Applaus - alles still - eisiges Schweigen. Da ertönt aus der Proszeniumsloge neben der Bühne eine helle, durchdringende Stimme voller Empörung: "Warum klatschen denn die Scheißkerle nicht!" Die Spannung zerreißt, der Applaus brandet mit befreiendem Lachen auf. Die Vorstellung ist gerettet. Noch lange wurde an den Theatern über meinen temperamentvollen Ausrutscher gelacht; aber man sieht: der Zweck heiligt die Mittel!" (Godela Orff 1992: S. 42)
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Godela Orff sich in ihren Erinne-rungen auch zur Publikumsreaktion der Uraufführung geäußert hatte und zwar widersprüchlich. So heißt es zunächst recht verhalten in der Erstausagbe des Jahres 1992:
"Der erste Teil ist beendet - gottlob, es setzt freundlicher Applaus ein! Beim zweiten und dritten, dem letzten Teil ebenso!" (ebd.)
Den folgenden Abschnitt aus der Neuauflage der Erinnerungen (2008) sucht man in der Erstausgabe vergebens:
"Erste Berichterstattung am nächsten Tag von der stolzen Tochter an die Großeltern: "Liebe Großmutti, lieber Großvati, ich kann Euch kaum in einem Brief erzählen,
wie wunderbar es war. Vor Vatis Stück kam ein Ballett. Das war aber nicht besonders. Dann kam die große Pause und alle waren furchtbar aufgeregt, wie es wohl werden würde. Und dann ging es so
gut, dass man sich ganz umsonst aufgeregt hatte. Am Schluss hatte er 21 Vorhänge. Und die Leute haben geschrien und gestrampelt, dass Vati sogar noch durch das kleine Türchen vom eisernen Vorhang
rauskommen musste. Bis drei Uhr morgens haben die Leute ihm Komplimente gemacht. Sogar der Bürgermeister war ganz hin und das will - glaube ich - bei dem viel sagen. Konntet Ihr die Übetragung
gestern gut hören? Jedem von Euch gibt einen Kuss Eure Godela." Nachsatz vom Sohne Carl: "Die Übertragung soll Scheiße gewesen sein. Godela fühlt sich hier im Glanze sehr wohl. Niemand hat
geglaubt, dass das Stück so stark auf der Bühne wirkt. Die Presse überbietet sich in Lobeshymnen. Alles andere dann mündlich. Bis bald. Carl" (G. Orff 2008: S. 42).
"Man muss sagen, dass Carl Orff versucht hat, sich möglichst rauszuhalten. Das ist natürlich wahnsinnig schwer für einen Komponisten, der groß angelegte Bühnenwerke komponiert. Er hat sich nach Kräften zurückgehalten."
Thomas Rösch (Direktor des Orff-Zentrums in München) in: WDR-Zeitzeichen vom 10.07.2020
1939
15. November 1933 -Joseph Goebbels zur Eröffnungsfeier der Reichskulturkammer im großen Saal der Berliner Philharmonie: "[...] Auch der schöpferische Mensch, und gerade er wird in den Strudel des revolutionären Geschehens mit hineingezogen. Nur dann ist er seiner Zeit und ihren Aufgaben gewachsen, wenn er sich damit begnügt, die Revolution passiv an sich vorbeigehen zu lassen, sondern vielmehr, wenn er aktiv in sie eingreift, sie bewußt bejaht, ihren Rhythmus in sich aufnimmt, ihre Zielsetzung zu der seinen macht. Kurz und gut, wenn er nicht ihrer Nachhut, sondern in ihrer Vorhut mitmarschiert. [...] Wir wollen einen deutschen Künstlertyp züchten, der bewußt und offen, mit Stolz und Eigenart den Aufgaben dient, die die Zeit uns gegeben hat" (Goebbels 1934: 24).
17. Juni 1935 - Joseph Goebbels zur Eröffnung der 2. Reichs-Theaterfestwoche in der Hamburger Musikhalle, in VB: vom 19. Juni 1935 (bzw. Heiber 1991: 219).
"Die Kunst ist eine Leidenschaft, die den ganzen Menschen erfordert und ausfüllt. Wer einmal von ihr ergriffen ist, kommt nicht mehr los davon. [...] Der Mensch, der der Kunst dient, muß ganz und gar von ihr besessen sein."
10. Dezember 1938 - Adolf Hitler wenige Wochen vor der Woche der Lebenden im Münchner Haus der Kunst anlässlich der Eröffnung der 2. Deutschen Architektur- und Kunsthandwerkerausstellung:
"[...] Alles, was diese zahllosen deutschen Künstler mit wirklich unendlichem Fleiß und fanatischer Hingabe leisten, das können wir gar nicht im einzelnen ermessen. Aber wenn das deutsche Volk im einzelnen dafür nicht den Dank aussprechen kann, dann will ich als des Volkes Sprecher diesen Dank ausdrücken." Veröffentlicht im VB Nr. 345 vom 11.12.1938 (nach Domarus 1988: 984 ).
FANATISMUS - BESESSENHEIT - LEIDENSCHAFT
"Zielstrebigkeit Wesen des Lebens"
Bekenntnisse...
Besessenheit...
"...ein revolutionärer Künstler, der von dem neuen Lebens- und Kunstgefühl besessen ist, und die schöpferischen Kräfte besitzt, das neue Weltgefühl in seinen Werken Gestalt werden zu lassen [...]."
Leidenschaft, Zielstrebigkeit, Ausdruck des Zeitgeistes...
"Dieses Streben nach einem neuen zeitnahen Ausdruck und nach neuen Erlebniswerten dürfe unter den zeitgenössischen deutschen Komponisten bei keinem mit einer solchen Leidenschaft und einer solchen Zielstrebigkeit hervorbrechen wie bei C a r l O r f f [...]."
über Carl Orff im Programmheft einer CB-Aufführung, die zwei Jahre nach der Uraufführung (19. - 26. März 1939) im Rahmen der Frankfurter Musikfest-Woche der Lebenden erfolgte:
Weltgefühl - Weltanschauung - Ideologie
"Das Vermögen, die Welt als große Einheit ästhetisch-rezeptiv im Geiste zu betrachten, ist in ihrem ursprünglichen und metaphorischen Sinn eine "Weltanschauung".
Die optische Metapher 'Weltanschauung' ist jedoch insofern paradox, als die Gesamtauffassung der Welt die Schranken der Sinnlichkeit überschreitet und schon gar nicht mit nur einem Sinn - dem
Sehen - wahrgenommen werden kann. Diese Paradoxie ist Ausdruck einer begrifflichen Verlegenheit, die entsteht, wenn in ihrem sinnlichen und leiblichen Dasein verwurzelte Wesen versuchen, reines
Denken zu denken und zu berschreiben. Die Priorität des optischen Sinnes ist, wie noch genauer zu zeigen ist, für Philosophen mit rationalistischen Denkmustern symptomatisch. Philosophen mit
anderer weltanschaulicher Orientierung hätte im gleichen Zusammenhang und aus gleicher begrifflicher Verlegenheit von 'Weltgefühl' gesprochen. Die inflationäre Begriffverwendung von
'Weltanschauung' in lebensweltlichen und akademischen Diskursen im 19. und 20. Jahrhundert führte nicht allein zum Verblassen der optischen Metapher, sondern verortete den Begriff seiner weiten
Bedeutung im Bereich der 'Ideologie'. Als Synonym für 'Ideologie' wurde er insbesondere im Nationalsozialismus und Marxismus-Leninismus missbraucht. 'Weltanschauung' war das, was dogmatisch
indoktriniert werden kann und nicht kritisch reflektiert wird."
aus: Albus, Vanessa: Epochaler Metapherngebrauch und philosophische Metaphernflexion als Indikatoren weltanschaulicher Orientierung, in: Epoche
und Metapher - Systematik und Geschichte kultureller Bildlichkeit, Specht, Benjamin (Hg.), Berlin 2014, S. 85-106: De Gruyter-Verlag.
Der vollständige Programmhefttext findet sich unten im Materialanhang als Anlage 1
vorher... nacher
"Man muss sagen, dass Carl Orff versucht hat, sich möglichst rauszuhalten. Das ist natürlich wahnsinnig schwer für einen Komponisten, der groß angelegte Bühnenwerke komponiert. Er hat sich nach Kräften zurückgehalten."
Thomas Rösch (Direktor des Orff-Zentrums in München) in: WDR-Zeitzeichen vom 10.07.2020
Übrigens ist auch in Otto Karners (2002: 257) Orff-Porträt lediglich von einem Hölderlin-Gedicht die Rede. In der hinsichtlich des Titels wenig aufschlussreichen Anmerkung (278) heißt es auf S. 329: Hölderlingedicht. AK, OZM.
"Aus der Sicht des Schott-Verlages und vielleicht auch aus dem Blickwinkel des nationalsozialisischen Regimes war die Bereitschaft Carl Orffs, die Sommernachtstraum-Musik des verbotenen und verfemsten Felix-Mendelssohn Bartholdy durch eine Neukomposition zu ersetzten, eine poltitische Botschaft, selbst wenn Orff immer in Anspruch nahm, sich mit dem Thema bereits seit 1917 beschäftigt zu haben" (Rathkolb 2021: 96).
"Hans Pfitzner hatte einen Kompositionsauftrag der "NS-Kulturgemeinde", eine neue Bühnenmusik zum Sommernachtstrauem zu schaffen, ebenso abgelehnt wie Richard Strauss und Werner Egk. [...] Bis heute ist nicht klar, ob Orff durch die extremen ökonomischen Zwänge - der Gerichtsvollzieher kam in diesen Jahren wiederholt ins Haus - oder eine Art Schutzabsicht gegenüber Verdächtigungen des Regimes motiviert war, diesen politischen Fehltritt zu begehen, vielleicht auch, um die NSDAP-Kritik an Carmina Burana zu neutralisieren. [...]
Fakt ist aber auch, dass es genügend Stimmen gab, die Orff mahnten, sich nicht zum Werkzeug nationalsozia-listischer Propgaganda machen zu lassen" (Rathkolb 2021: 97).
Nr. 1
Nr. 2
"Doch fügte es das Schicksal, daß durch den gänzlich unerwarteten Tod des Königlichen Musikdirektors RastrelliA253, kurz nach den ersten Aufführungen des »Rienzi«, plötzlich eine Anstellung erledigt wurde, für welche sich sogleich aller Augen auf mich richteten.
[Richard Wagner: Mein Leben: Zweiter Teil: 1842-1850. Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 31323 (vgl. Wagner-Leben, S. 248)]
"Mehr als alles dies Herzliche, Bedeutende und Vernünftige wirkte in mir selbst der zu keiner Zeit meines Lebens gänzlich vertilgte enthusiastische Glaube an die Möglichkeit, da, wohin mich das Schicksal geführt, also auch jetzt hier in Dresden A261, doch wohl den Punkt gefunden zu haben, von welchem aus einmal eine Umkehr des Gewohnten in Bewegung zu setzen und das Unerhörte in das Leben zu rufen wäre;"
[Richard Wagner: Mein Leben: Zweiter Teil: 1842-1850. Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 31348 - (vgl. Wagner-Leben, S. 259)]
"Einen einzigen Freund, dessen inniges Verhältnis zu mir auch die gemeinsame musikalische Wirksamkeit in Dresden weit überdauerte, führte mir jedoch das Schicksal durch eben diese Anstellung zu. Zu den beiden Kapellmeistern mußte noch ein Musikdirektor angestellt werden; es bedurfte hierzu weniger eines Musikers von bedeutendem Rufe, als eines tüchtigen Arbeiters, gefügigen Menschen und vor allem Katholiken, da beide Kapellmeister zum Ärgernis der geistlichen Behörden der katholischen Hofkirche, in welcher die Königliche Kapelle zahllose Dienste zu versehen hatte, Protestanten waren."
[Richard Wagner: Mein Leben: Zweiter Teil: 1842-1850. Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 31363 (vgl. Wagner-Leben, S. 266)]
"Den König von Sachsen bezeichnete ich schließlich als vom Schicksal auserkoren, in dem von mir gedachten Sinne den übrigen Fürsten Deutschlands mit dem richtigen Beispiele voranzugehen."
[Richard Wagner: Mein Leben: Zweiter Teil: 1842-1850. Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 31616 - (vgl. Wagner-Leben, S. 379)]
"Die Folge der höfischen und direktorialen Ungnade ließ sich für die Zeit, welche das Schicksal mir noch als Dresdener Kapellmeister auszuhalten bestimmt hatte, in allem gewahren."
[Richard Wagner: Mein Leben: Zweiter Teil: 1842-1850. Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 31656 -(vgl. Wagner-Leben, S. 396)]
"Mit Herwegh war mir dies durchaus nicht geglückt; dagegen hatte mir das Schicksal in dem ehemaligen Sächsischen Gardeleutnant und früheren Geliebten der Schröder-Devrient, Hermann Müller, einen biedren und zur Unterhaltung aufgelegten Genossen zugewiesen."
[Richard Wagner: Mein Leben: Dritter Teil: 1850-1861. Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 31855 (vgl. Wagner-Leben, S. 485-486)]
"[...] somit schritt ich unverzagt zu den hierfür nötigen Bestellungen, ließ mein Mobiliar von Zürich kommen und glaubte nun, da das Schicksal mich einmal zu solcher Wahl gezwungen hatte, mich für zeitlebens als Pariser Niedergelassener ansehen zu dürfen."
[Richard Wagner: Mein Leben: Dritter Teil: 1850-1861. Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 32127 - (vgl. Wagner-Leben, S. 606)]
"Diesmal durfte ich es für ein Glück erachten, daß jetzt von keiner Einkehr in eine stille Zurückgezogenheit die Rede war, sondern daß es sich um den Antritt einer unendlichen Folge von äußeren Beziehungen und Tätlichkeiten handelte, zu denen wiederum ich ganz gegen meine Wahl und Neigung durch das Schicksal hingetrieben wurde."–
[Richard Wagner: Mein Leben: Dritter Teil: 1850-1861. Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 32146 (vgl. Wagner-Leben, S. 615)]
"Der gefahrvolle Weg, auf den mich heute mein Schicksal zu höchsten Zielen berufen hatte, sollte nie frei von Sorgen und Nöten von bis dahin mir noch ganz ungekannter Art sein; nie jedoch hat unter dem Schutze meines erhabenen Freundes die Last des gemeinsten Lebensdruckes mich wieder berühren sollen."
[Richard Wagner: Mein Leben: Vierter Teil: 1861-1864. Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 32456 (vgl. Wagner-Leben, S. 755)]
„Auch ich selbst kann hierzu nicht ohne Verklemmung mich anlassen: jedoch rührt diese nicht von der Furcht vor meinen Feinden her, (denn da hier mir nicht das Mindeste zu hoffen bleibt, habe ich auch Nichts zu fürchten!), sondern vielmehr von der besorglichen Rücksicht auf hingebende, wahrhaft sympathische Freunde, welche das Schicksal mir aus der Stammverwandtschaft desselben national-religiösen Elements der neueren europäischen Gesellschaft zuführte, dessen unversöhnlichen Haß ich mir durch die Versprechung seiner so schwer vertilgbaren, unsrer Kultur nachtheiligen Eigenthümlichkeiten zugezogen habe."
Judenthum in der Musik S. 8