Prolog bezeichnet in der attischen, hellenischen Tragödie und Komö-die eine kurze Einführung in die Handlung der bevorstehenden Ereignisse, die oft von einem Chormitglied oder aber auch vom ge-samten Chor gesprochen bzw. gesungen wurde.
Dithyrambos (dithyrambisch) bezeichnet eine Gattung der hellenischen Chorlyrik zu Ehren des Gottes Dionysos. Es handelt sich dabei um eine Art hymnische Ode (Preis- und Lobgesang, vgl. Beethovens Vertonung von Schillers "Ode an die Freude" op. 125), die oft als Teil einer größeren Theateraufführung oder religiösen Zere-monie gesungen wurde. Der Dithyrambos hatte einen starken emotionalen, nach Plutarch gar ekstatischen Charakter und wurde oft als Ausdruck von Freude und Begeisterung verwendet. ER kann aber auch als eine Form der Huldigung verstanden werden, da er die Leistungen und die Bedeutung des Gottes Dionysos besang um dessen Macht zu unterstreichen.
Orpheus
Erste Fassung
Die textlich-szenische Neugestaltung
Im Original ist der Prolog der Musik eine Huldigung an das Herrscherpaar (Orff 1975 (Dokumentation Bd. II): 21).
Carl Orff in einem Brief vom 19.06.1934 an Michel Hofmann: "[...] Teil I Schicksal II "Frühling" (!) III. Oktoberfest sind klar" (Dangel-Hofmann 1990: 54).
Carl Orff in einem Brief vom 15.03.1935 an Michel Hofmann: "Erster Teil Vom Schicksal (De Fortuna) oder wie man da sagt" (Dangel-Hofmann 1990: 90). Original freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Frau F. Dangel-Hofmann.
"...voran geht ein Chor auf die Schicksalsgöttin Fortuna [...]"
"Orff hat sein Werk in drei Teile gegliedert. Dem ersten Hauptteil voran geht ein Chor auf die Schicksalsgöttin Fortuna, der auch als Abschluss des ganzen Werkes wieder erscheint. Heidnische Anschauungen, die sich das ganze Mittelalter hindurch lebendig erhielten, treten uns hier entgegen in der Vorstellung von der Schicksalsgöttin, die ähnlich wie die Nornen die Schicksalsfäden, so das Schicksalsrad dreht, welches den Menschen bald zu Reichtum und Ruhm emporreißt, bald in Armut und Elend hinabstößt" (N.N. in: Neues Musikblatt, Mai 1937).
"...mit der in ihrem Rad thronenden Schicksalsgöttin...
"Die berühmt gewordene Miniatur mit der in ihrem Rad thronenden Schicksalsgöttin, den König Salomo zu Häupten, die nach ihrem
Aufstieg und Fall gestürzte Figur unter den Füßen, dürfte die "Initialzündung" bei Orffs Begegnung mit Schmellers Edition ausgelöst haben" (Thomas 1997: II).
"...an den Spielfäden der Schicksalsgötting Fortuna..."
"Denn est sind nicht namentragende Individuen, deren Einzelschicksal in einer fortschreitenden Handlung vorgeführt würde, sondern Typen: [...] Sie alle aber bewegen sich wie Marionetten des großen Welttheaters an den Spielfäden der Schicksalsgötting Fortuna als "Herrscherin der "Welt" (Thomas 1997: S. III).
"...ein Chor an die launische Schicksalsgöttin Fortuna..."
"Wie das menschliche Leben eingespannt ist in das eherne Gefüge des Schicksals, so steht auch am Anfang und am Ende der ganzen Kantate ein Chor an die launische Schicksalsgöttin Fortuna (Nr. 1: O Fortuna); in der Musik spiegelt sich die unbeugsame Statik zeitloser Schicksals-Übermacht, aber auch der ungebrochene Daseinsmut derer, die vor ihr nicht verstummen, sondern sie beschwören, bannen und überwinden" (M. Hofmann (1937) in Dangel-Hofmann 1990: 143-149) [...]
"...Fortuna dreht das Schicksalsrad..."
Fortuna dreht das Schicksalsrad, das die Menschen zur Höhe schwingt, um sie wieder zur Erde niederzuschmettern; hoffnungsvoller Aufsteig, königlicher Glanz, verzweifelter Niedergang, Absturz in den Staub und neuer Aufsteig schließen sich zu ewigem Kreislauf (M. Hofmann (1937) in Dangel-Hofmann 1990: 143-149). [...]
"...das alte Schicksalslied (Nr. 25: O Fortuna), das den Auftakt der Kantate bildete, wird zum krafvollen und siegessicheren Ausklang" .
Aber nicht Venus, die lichte Göttin der Schönheit und Liebe regiert die Welt, sondern Fortuna, die unerbittliche Schicksalsgöttin. Im Augenblick der höchsten Steigerung schlägt der Liebesjubel des Chores um; und das alte Schicksalslied (Nr. 25: O Fortuna), das den Auftakt der Kantate bildete, wird zum krafvollen und siegessicheren Ausklang. Das Rad der Fortuna dreht sich weiter ..." (M. Hofmann (1937) in Dangel-Hofmann 1990: 143-149).
"...Schicksal, als Fortuna, die das große Weltenrad kreisen läßt..."
„Zwei Geschehensmächte sind es vor allem, die sich bei Orff als Welt-Mächte erweisen: die Macht der Liebe und die Gewalt des Schicksals, beide als höchste göttliche Welt-Realitäten verstanden und dargestellt in ihren verschiedenen Verwirklichungsstufen: Venus-Aphrodite, die Liebe, als elementar-vitaler Urtrieb, als zerstörerisch dämonische Gewalt, als heilig natürliche kosmische Ordnungsmacht und Königen der Welt; und auf der anderen Seite Schicksal, als Fortuna, die das große Weltenrad kreisen läßt und Daimon, als die tragische Schicksalsmacht, die in Wesen und Charakter eines großen Menschen angelegt ist und ihn in jene Untergänge hineinführt, die zugleich seine höchsten Verwirklichungen sind“ (Schadewaldt (1954) 1960: 864).
aus: Neues Musikblatt
"Wer [...] das düstere unpersönliche Schicksal an die Stelle des persönlichen Gottes rückt..." (Quellenauflösung unten)
in Doku: Wie kam Hitler an die Macht? - ZDF 2011
Legitimationsfigur...
Dass nur wenige Monate nach der Unterzeichnung des Konkordats (20. Juli 1933) zwischen dem Nuntius des Heiligen Stuhls
(Eugenio Pacelli, dem späteren (ab 02.03.1939) Papst Pius XII) und dem Vertreter des NS-Regimes (Reichsinnenminister Wilhelm Frick) nicht die "Patrona Bavariae" durch die
bayerische Haupt- und Marienstadt München (Mariensäule, Marienplatz, Frauenkirche etc.) getragen, sondern die angedeutete Schultertragefigur der Schicksalsgöttin
Fortuna 'gerollt' wurde, musste nicht nur vom bayerischen Klerus, insbesondere Michael Kardinal Faulhaber, dem Erzbischof von München und Freising, als Provokation der NS-Machthaber
verstanden werden. Faulhaber wird vier Jahre später wesentlicher Mitgestalter einer Protestnote sein, die unter anderem die mit der 'Marienersatzfigur' Fortuna konnotierten
Glaubensvorstellungen kritisch adressiert. Es wird unten darauf zurückzukommen sein. Pacelli und Faulhaber kannten sich gut, weil der Nuntius des Heiligen Stuhls von 1917-1925 seinen Sitz in
München hatte.
Schicksalsgöttin
"Ich hatte einst als Junge und junger Mensch so oft den Wunsch gehabt, doch wenigstens einmal auch durch Taten bezeugen zu können,
daß mir die nationale Begeisterung kein leerer Wahn sei. Mir kam es oft fast als Sünde vor, Hurra zu schreien, ohne vielleicht auch nur das innere
Recht hierzu zu besitzen; denn wer durfte dieses Wort gebrauchen, ohne es einmal dort erprobt zu haben, wo alle Spielerei zu Ende ist und die unerbittliche Hand der
Schicksalsgöttin Völker und Menschen zu wägen beginnt auf Wahrheit und Bestand ihrer Gesinnung?" MK 178
Ausblick: year for year - bis zum bitteren Ende...
Hitlers letzter Tagesbefehl an die Wehrmacht vom 16.04.1945
[...] In dieser Stunde blickt das ganze deutsche Volk auf Euch, meine Ostkämpfer, und hofft nur darauf, daß durch Eure Standhaftigkeit, Euren Fanatismus, durch Eure Waffen und Eure Führung der bolschewistische Ansturm in einem Blutbad erstickt. Im Augenblick, in dem das Schicksal den größten Kriegsverbrecher [Roosevelt] aller Zeiten von dieser Erde genommen hat, wird sich die Wende dieses Krieges entscheiden. gez. Adolf Hitler
von Schicksals Gnaden
versus
von Gottes Gnaden
Serenus Zeitblom
Fällig erschien ein neuer Durchbruch: derjenige zu dominierenden Weltmacht, - der freilich auf dem Wege moralischer Heimarbeit nicht zu bewirken war. Krieg also, und wenn es sein mußte, gegen alle, um alle zu überzeugen und zu gewinnen, das war’s, was das »Schicksal« (wie »deutsch« dies Wort, ein vor-christlicher Urlaut, ein tragisch-mythologisch-musikdramatisches Motiv!) beschlossen hatte, und wozu wir begeistert (ganz allein begeistert) aufbrachen – erfüllt von der Gewißheit, daß Deutschlands säkulare Stunde geschlagen habe; daß die Geschichte ihre Hand über uns halte; daß nach Spanien, Frankreich, England wir an der Reihe seien, der Welt unseren Stempel aufzudrücken und sie zu führen; daß das zwanzigste Jahrhundert uns gehöre und nach Ablauf der vor einigen hundertzwanzig Jahren inaugurieren bürgerlichen Epoche die Welt im Zeichen des Deutschen, im Zeichen eines nicht ganz zu Ende definierten militaristischen Sozialismus also sich zu erneuern habe (Mann 1990: 402).
»Bei einem Volk von der Art des unsrigen«, trug ich vor, »ist das Seelische immer das Primäre und eigentlich Motivierende; die politische Aktion ist zweiter Ordnung, Reflex, Ausdruck, Instrument. Was mit dem Durchbruch zur Weltmacht, zu dem das Schicksal uns beruft, im tiefsten gemeint ist, das ist der Durchbruch zur Welt- aus einer Einsamkeit, deren wir uns leidend bewußt sind, und die durch keine robuste Verflechtung ins Welt-Wirtschaftliche seit der Reichsgründung hat gesprengt werden können. Das Bittere ist, daß die empirische Erscheinung des Kriegszuges annimmt, was in Wahrheit Sehnsucht ist, Durst nach Vereinigung…« (Mann 1990: 410).
Screenshot aus dem Vorspann der gleichnamigen ARTE-Dokumentation des Jahres 2017
Taruskin in NYT May 6, 2001: „In 1937, the year in which „Carmina Burana“ enjoyed its smashing success, the National Socialists were engaged in a
furious propaganda battle with the churches of Germany, countering the Christian message of compassion with neo-pagan worship of holy hatred. And what could better support the Nazi claim the
Germans, precisely in their Aryan neo-paganism, were the ture heirs of Greco-roman („Western“) culture than Orffs’s animalistic setting of Greek and Latin poets?“ (Taruskin 2001).
"... Heidnische Anschauungen, die sich das ganze Mittelalter hindurch lebendig erhielten, treten uns hier entgegen in der Vorstellung von der Schicksalsgöttin [...]
(N.N. Neues Musikblatt (siehe oben)).
"Mit brennender Sorge..."
Am 14. März 1937 wurde im Vatikan erst- und letztmals eine deutschsprachige Enzyklika verfasst und - notabene - am 21. März (Palm-Sonntag) in allen deutschen katholischen Kirchen verlesen... Kardinal Faulhaber hatte einen ersten Entwurf dafür vorgelegt.
21. März 1937
daraus an anderer Stelle:
Reiner Gottesglaube
Wer [...] das düstere unpersönliche Schicksal an die Stelle des persön-lichen Gottes rückt...
11. Wer nach angeblich altgermanisch-vorchristicher Vorstellung das düstere unpersönliche Schicksal an die Stelle des persönlichen Gottes rückt, leugnet Gottes Weisheit und Vorsehung, die "kraftvoll und gütig von einem Ende der Welt zum anderen waltet" und alles zum guten Ende leitet. Ein solcher kann nicht beanspruchen, zu den Gottgläu-bigen gerechnet zu werden.
"Mein dunkelstes Werk sind Carmina Burana"
(Carl Orff nach Thomas 1990: 31)
in demonstratver Abgrenzung bzw. 'Konkurrenz'...
79 Tage nach der aufsehenerregenden und mit heftigen Repressalien des NS-Regimes sanktionierten Verlesung der Enzyklika von allen katholischen Kanzeln und 44 Tage nach der Bombardierung von Guernica erfolgte ganz 'unbesorgt' am 08. Juni 1937 die Uraufführung der Carmina Burana in Frankfurt am Main.
Am selben - notabene - Dienstag und zur selben Stunde eröffnete der ADMV (Allgemeiner Deutscher Musik Verein) seine letzte, mit Veranstaltungen in Darmstadt und Frankfurt geplante Jahresversammlung (8.-13. Juni 1937) im Hessischen Landestheater Darmstadt. Auf dem Programm stand der Diener zweier Herren von Arthur von Kusterer. Die Uraufführung der CB hat also nicht, wie nicht nur von Orff prätentiös behauptet wurde, im Rahmen der ADMV-Tagung stattgefunden, sondern dazu in mehr als deutlicher Abgrenzung, Distanzierung, ja, Konkurrenz, bis hin zu einem standesgemäßen Empfang im Frankfurter Palmengarten, während der ADMV in der Darmstädter Orangerie zu einem Stelldichein geladen hatte. Hier, in Frankfurt, wurde musikalisch der Aufbruch in die neue Zeit gefeiert und dort, in Darmstadt, das Ende, der Untergang der alten.
Orffs Schüler Werner Egk hatte ganz in diesem Sinne bereits in einem Beitrag - "Pflicht zur Auslese" - für die "Völkischen Kultur" (Jahrgang ) zur Programmgestaltung des ADMV vehement kritisch Stellung bezogen und gefordert:
"Jedenfalls ist schon viel erreicht, wenn man von vornherein alles ausschscheidet, was die Tonsprache der spätromantischen, liberalistischen Epoche spricht, die ja ihre Entstehung der geistigen Haltung dieser Zeit verdankt. Untrügliche Kennzeichen dieser Tonsprache sind die Zerdehnung und Wucherung der symphonischen Entwicklungsvorgänge, eine ungesunde Chromatik, die spekulative Konstruktion aus gedanklich belasteten Motivzeilen. Abzulehnen ist aber auch die Musik, die ausschließlich als
Erst die Wiederholungsaufführung der CB am 12. Juni, die im ADMV-Festprogramm falsch als Uraufführung ausgewiesen ist, fand im Rahmen der ADMV-Tagung statt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Näheres dazu unten in: Geschichtsklitterung
Niederknien nach wikipedia: Das Niederknien oder die Kniebeuge, bzw der Kniefall ist eine Demutsgeste gegenüber einer überlegenen Person, beispielsweise einem König oder politischen Herrscher. Vielfach wird Niederknien als Ausdruck der religiösen Verehrung einer Göttlichkeit oder eines Fürsprechers ausgeführt.
Monika Matschnig - Fachfrau für Körpersprache in einer E-Mail an den Verfasser vom 24.10.2020: "[...] Arme über dem Körper mit den Handflächen noch oben gerichtet, könnte ein Symbol von Predigen oder Verherrlichung sein. Das Anpreisen der Götter. Die Suche nach Erleuchtung."
Huldigung ritualisiertes Treueversprechen im Mittelalter
"Dem Gesang der Liebe folgt nochmals die Huldigung der Göttin Fortuna, mit der das Spiel begann." aus dem Theaterzettel zur Hamburger Erstaufführung der Carmina Burana am 9. Oktober 1942 (Archiv UJB)
Monuemtalisierung =
Verherrlichung
aus: Arnold Schering: Über den Begriff des Monumentalen in der Musik (1935)
"Was würdig ist, dauernd in der Erinnerung der Nachwelt festgehalten zu werden, dem setzt man ein Denkmal, ein Monument. Das kann immer nur ein Großes, Bedeutendes
sein, von dem sich annehmen läßt, dass die Kraft seiner Inhalte auch in fernsten Zeiten noch lebendig zu wirken und Augenblicke der Erhebung, des Stolzes, des Selbstbewußtseins zu schaffen
vermag. [...] Merkmal eines jeden wahrhaften Monuments wird sein, daß es über die Zeiten hinaus die Wucht des erstmaligen Eindrucks seiner Inhalte übermittelt." S. 9
Hitler hat mitunter das Wort Schicksal durch das Synonym Vorsehung ersetzt.
Ein Beispiel aus der Rede vom 21.03.1933 - Tag von Potsdam (Garnisonskirche):
"Sie [an Paul von Hindenburg] erlebten einst des Reiches Werden, sahen vor sich noch des großen Kanzlers Werk, den wunderbaren Aufstieg unseres Volkes und haben uns endlich geführt in der großen Zeit, die das Schicksal uns selbst miterleben und mit durchkämpfen ließ. Heute, Herr Generalfeldmaschall, lässt Sie die Vorsehung Schirmherr sein über die neue Erhebung des Volkes. [...] Möge uns dann aber auch die Vorsehung verleihen jenen Mut und eine Beharrlichkeit, die wir in diesem für jeden Deutschen geheiligten Raum um uns spüren, als für usneres Volkes Freiheit und Größe ringende Menschen zu Füße der Bahre seines größten Königs."
Dass Hitler mit Vorsehung immer die Vorsehung des Schicksals gemeint hat, lässt sich aus einer Sequenz seiner Rede auf dem ersten Kongreß der Deutschen Arbeitsfront (10. Mai 1933, Berlin) schließen:
„Aber ich bin nun einmal durch meinen eigenartigen Lebensgang vielleicht mehr als jeder andere befähigt, das Wesen und das ganze Leben der verschiedenen deutschen Stände zu verstehen und zu begreifen, nicht weil ich dieses Leben etwa von oben herunter hätte beobachten können, sondern weil ich es selbst mitgelebt habe, weil ich mitten in diesem Leben stand, weil mich das S c h i c k s a l (Sperrsatz vom Verf.) in seiner Laune oder vielleicht auch in seiner V o r s e h u n g (Sperrsatz vom Verf.) einfach in diese breite Masse Volk und Menschen hineingeworfen hat. Weil ich selbst jahrelang als Arbeiter am Bau schuf und mir mein Brot verdienen mußte. Und weil ich zum zweiten Male dann wieder jahrelang in dieser breiten Masse stand als gewöhnlicher Soldat, und weil das Leben mich dann in die anderen Schichten unseres Volkes hineinhob, so daß ich auch diese besser kenne als Unzählige, die in diesen Schichten geboren sind. So hat mich das Schicksal vielleicht mehr als irgendeinen anderen dazu bestimmt, der – ich darf dieses Wort für mich gebrauchen – ehrliche Makler zu sein, der ehrlich Makler nach jeder Seite hin“ (Domarus 1, 267).
*Gott verwendet Hitler überwiegend, aber nicht nur umgangssprachlich: bspw. „Gott bewahre, Gott sei Lob und Dank, weiß Gott, wahrhaftiger Gott“ etc.
*Gott verwendet Hitler überwiegend, aber nicht nur umgangssprachlich: bspw. „Gott bewahre, Gott sei Lob und Dank, weiß Gott, wahrhaftiger Gott“ etc.
Die Legitimationsfigur "Schicksal" hat sich der Eklektiker Hitler vermutlich, wie so vieles, bei seinem Idol Richard Wagner abgeschaut. In dessen
Autobiographie - notabene - Mein Leben lässt sich eine nahezu identische Schicksals-Rhetorik nachweisen (siehe Anhang Nr. 2).
Aber auch Oswald Spenglers (1880-1936) Der Untergang des Abendlandes (1918-22) kommt für Hitler, wie zweifelsfrei auch für andere maßgebliche NS-Ideologen, in vielerlei, aber gewiss nicht in jeder Hinsicht, als Stichwort- und Ideengeber in
Frage. Das Wort Schicksal wird darin nicht weniger als 421 aufgerufen. Und deshalb kann es auch nicht wundern, dass Spengler im Vorwort der 33.-47. Auflage von "Geschichte [als] eine
Philosophie des Schicksals" (1923) spricht.
"Man muss sagen, dass Carl Orff versucht hat, sich möglichst rauszuhalten. Das ist natürlich wahnsinnig schwer für einen Komponisten, der groß angelegte Bühnenwerke komponiert. Er hat sich nach Kräften zurückgehalten."
Thomas Rösch (Direktor des Orff-Zentrums in München) in: WDR-Zeitzeichen vom 10.07.2020
1939
"Aus der Sicht des Schott-Verlages und vielleicht auch aus dem Blickwinkel des nationalsozialisischen Regimes war die Bereitschaft Carl Orffs, die Sommernachtstraum-Musik des verbotenen und verfemsten Felix-Mendelssohn Bartholdy durch eine Neukomposition zu ersetzten, eine poltitische Botschaft, selbst wenn Orff immer in Anspruch nahm, sich mit dem Thema bereits seit 1917 beschäftigt zu haben" (Rathkolb 2021: 96).
"Hans Pfitzner hatte einen Kompositionsauftrag der "NS-Kulturgemeinde", eine neue Bühnenmusik zum Sommernachtstrauem zu schaffen, ebenso abgelehnt wie Richard Strauss und Werner Egk. [...] Bis heute ist nicht klar, ob Orff durch die extremen ökonomischen Zwänge - der Gerichtsvollzieher kam in diesen Jahren wiederholt ins Haus - oder eine Art Schutzabsicht gegenüber Verdächtigungen des Regimes motiviert war, diesen politischen Fehltritt zu begehen, vielleicht auch, um die NSDAP-Kritik an Carmina Burana zu neutralisieren. [...]
Fakt ist aber auch, dass es genügend Stimmen gab, die Orff mahnten, sich nicht zum Werkzeug nationalsozia-listischer Propgaganda machen zu lassen" (Rathkolb 2021: 97).
15. November 1933 -Joseph Goebbels zur Eröffnungsfeier der Reichskulturkammer im großen Saal der Berliner Philharmonie: "[...] Auch der schöpferische Mensch, und gerade er wird in den Strudel des revolutionären Geschehens mit hineingezogen. Nur dann ist er seiner Zeit und ihren Aufgaben gewachsen, wenn er sich damit begnügt, die Revolution passiv an sich vorbeigehen zu lassen, sondern vielmehr, wenn er aktiv in sie eingreift, sie bewußt bejaht, ihren Rhythmus in sich aufnimmt, ihre Zielsetzung zu der seinen macht. Kurz und gut, wenn er nicht ihrer Nachhut, sondern in ihrer Vorhut mitmarschiert. [...] Wir wollen einen deutschen Künstlertyp züchten, der bewußt und offen, mit Stolz und Eigenart den Aufgaben dient, die die Zeit uns gegeben hat" (Goebbels 1934: 24).
17. Juni 1935 - Joseph Goebbels zur Eröffnung der 2. Reichs-Theaterfestwoche in der Hamburger Musikhalle, in VB: vom 19. Juni 1935 (bzw. Heiber 1991: 219).
"Die Kunst ist eine Leidenschaft, die den ganzen Menschen erfordert und ausfüllt. Wer einmal von ihr ergriffen ist, kommt nicht mehr los davon. [...] Der Mensch, der der Kunst dient, muß ganz und gar von ihr besessen sein."
10. Dezember 1938 - Adolf Hitler wenige Wochen vor der Woche der Lebenden im Münchner Haus der Kunst anlässlich der Eröffnung der 2. Deutschen Architektur- und Kunsthandwerkerausstellung:
"[...] Alles, was diese zahllosen deutschen Künstler mit wirklich unendlichem Fleiß und fanatischer Hingabe leisten, das können wir gar nicht im einzelnen ermessen. Aber wenn das deutsche Volk im einzelnen dafür nicht den Dank aussprechen kann, dann will ich als des Volkes Sprecher diesen Dank ausdrücken." Veröffentlicht im VB Nr. 345 vom 11.12.1938 (nach Domarus 1988: 984 ).
FANATISMUS - BESESSENHEIT - LEIDENSCHAFT
"Zielstrebigkeit Wesen des Lebens"
Bekenntnisse...
Besessenheit...
"...ein revolutionärer Künstler, der von dem neuen Lebens- und Kunstgefühl besessen ist, und die schöpferischen Kräfte besitzt, das neue Weltgefühl in seinen Werken Gestalt werden zu lassen [...]."
Leidenschaft, Zielstrebigkeit, Ausdruck des Zeitgeistes...
"Dieses Streben nach einem neuen zeitnahen Ausdruck und nach neuen Erlebniswerten dürfe unter den zeitgenössischen deutschen Komponisten bei keinem mit einer solchen Leidenschaft und einer solchen Zielstrebigkeit hervorbrechen wie bei C a r l O r f f [...]."
über Carl Orff im Programmheft einer CB-Aufführung, die zwei Jahre nach der Uraufführung (19. - 26. März 1939) im Rahmen der Frankfurter Musikfest-Woche der Lebenden erfolgte:
Weltgefühl - Weltanschauung - Ideologie
"Das Vermögen, die Welt als große Einheit ästhetisch-rezeptiv im Geiste zu betrachten, ist in ihrem ursprünglichen und metaphorischen Sinn eine "Weltanschauung".
Die optische Metapher 'Weltanschauung' ist jedoch insofern paradox, als die Gesamtauffassung der Welt die Schranken der Sinnlichkeit überschreitet und schon gar nicht mit nur einem Sinn - dem
Sehen - wahrgenommen werden kann. Diese Paradoxie ist Ausdruck einer begrifflichen Verlegenheit, die entsteht, wenn in ihrem sinnlichen und leiblichen Dasein verwurzelte Wesen versuchen, reines
Denken zu denken und zu berschreiben. Die Priorität des optischen Sinnes ist, wie noch genauer zu zeigen ist, für Philosophen mit rationalistischen Denkmustern symptomatisch. Philosophen mit
anderer weltanschaulicher Orientierung hätte im gleichen Zusammenhang und aus gleicher begrifflicher Verlegenheit von 'Weltgefühl' gesprochen. Die inflationäre Begriffverwendung von
'Weltanschauung' in lebensweltlichen und akademischen Diskursen im 19. und 20. Jahrhundert führte nicht allein zum Verblassen der optischen Metapher, sondern verortete den Begriff seiner weiten
Bedeutung im Bereich der 'Ideologie'. Als Synonym für 'Ideologie' wurde er insbesondere im Nationalsozialismus und Marxismus-Leninismus missbraucht. 'Weltanschauung' war das, was dogmatisch
indoktriniert werden kann und nicht kritisch reflektiert wird."
aus: Albus, Vanessa: Epochaler Metapherngebrauch und philosophische Metaphernflexion als Indikatoren weltanschaulicher Orientierung, in: Epoche
und Metapher - Systematik und Geschichte kultureller Bildlichkeit, Specht, Benjamin (Hg.), Berlin 2014, S. 85-106: De Gruyter-Verlag.
Der vollständige Programmhefttext findet sich im Materialanhang unten als Anlage 1
vorher... nacher
"...kein glanzvoller Jubelchor, sondern ein Trauergesang..."???????????????????
"Vor diesem Hintergrund ist der "O Fortuna" - Chor eben kein glanzvoller Jubelchor, sondern ein Trauergesang über die Vergänglichkeit des irdischen Glücks." Thomas Rösch (Direktor des Orff-Zentrums in München) aus der Vortragserinnerung zitiert von Robert Jungwirth in: Klassik-Info, Juni 2012.
https://www.klassikinfo.de/carmina-burana-75-jahre-nach-der-urauffuhrung/
"Man muss sagen, dass Carl Orff versucht hat, sich möglichst rauszuhalten. Das ist natürlich wahnsinnig schwer für einen Komponisten, der groß angelegte Bühnenwerke komponiert. Er hat sich nach Kräften zurückgehalten."
Thomas Rösch (Direktor des Orff-Zentrums in München) in: WDR-Zeitzeichen vom 10.07.2020
Übrigens ist auch in Otto Karners (2002: 257) Orff-Porträt lediglich von einem Hölderlin-Gedicht die Rede. In der hinsichtlich des Titels wenig aufschlussreichen Anmerkung (278) heißt es auf S. 329: Hölderlingedicht. AK, OZM.
"Diese im Rahmen des Tonkünstlerfestses geplante [dann aber dort nicht erfolgte (Anm. d. Verf.)] Uraufführung wurde zur letzten Veranstaltung des noch von Franz Liszt gegründeten Allgemeinen Deutschen Musikvereins, der damit seine achtundsechzigjährige erfolgreiche Tätigkeit auf höhreren Befehl beenden musste. [...] Die zweite Aufführung der Carmina Burana am 12. Juni, vor allem für die Partei angesetzt [tatsächlich aber die erste Aufführung im Rahmen des Tonkünstlerfestes], brachte nur einen reservierten Erfolg" (Orff 1979: S. 66).
Dass "die zweite Aufführung" [...] nur einen reservierten Erfolgt" gebracht hatte, mag wohl in erster Linie daran gelegen haben, dass sich die Mitglieder des Tonkünstlerfestes von Orffs 'Konkorrenzveranstaltung' am 8. Juni düpiert sahen. Selbst Herbert Gerigks überwiegend, aber nicht nur negative Kritik für den Völkischen Beobachter (süddeutsche Ausgabe vom 16.06.1937), wird von diesem Affront beieinflusst gewesen sein. Er hatte Orffs Gesinnungsanbiederung offenbar in mehrfacher Hinsicht nicht verstanden. Denn in seiner Kritik spricht er nicht nur beckmesserisch auf die "nicht historisch stilreinen" Kostüme, sondern auch entgegen der oben präsentierten Verlagsankündigung, wie mit ihm etwa 5 Prozent der Musikkritiker, vom im Bühnenhintergrund rollenden "Rad der Glücksgöttin". Orffs Behauptung, dass die Wiederholungsaufführung vom 12. Juni "vor allem für die Partei angesetzt" worden sei, wurde weder von ihm noch bis dato von der institutionalisierten Orff-Forschung (u. a. Orff-Zentrum) belegt. Nicht anders verhält es sich mit Peter Hanser-Streckers Legendenbildung. In der TV-Doku "Noten für die Welt - 250 Jahre Schott-Verlag" (Wasner 2020) lässt er hinsichtlich der Uraufführung vom 08. Juni seiner Phantasie freien Lauf: "Die Uraufführung war 1936 [sic] in Frankfurt. [...] In den ersten sieben Reihen saßen nur Nazis und Bonzen, wie es so schön hieß, und das Stück war zu Ende, und alle waren begeistert, aber trauten sich nicht zu klatschen - also Totenstille. Bis dann eine glockenhelle Mädchenstimme sagt: "Du, Papi, warum klatschen denn die Ärsche [sic] nicht"? Das war die Tochter von Orff. Dann sind die sofort aufgestanden in diesen sieben Reihen, haben das Haus verlassen. Und dann kam ein tosender Beifall. Es war also ein riesen Erfolg, trotz Nazis." In den Erinnerungen der benannten Tochter heißt es aber nicht zur Ur-, sondern zur Wiederholungsaufführung deutlich untheatralischer und auch im Widerspruch zu den Aussagen ("reservierter Erfolg") des Vaters:
"Zweite Vorstellung: neue Sorgen. Die Spitzen der Partei [also keine ersten sieben Reihen, wie es Hanser-Strecker bewusst 'aufmotzend' behauptet] - wir sind ja im "tausendjährigen Reich!" - werden entscheiden [auch dafür gibt es bis dato keinen Beleg], ob man dieses Stück genehmigen könne. [Auch für dieses Behauptung ist bis dato kein Beleg veröffentlicht worden. Anm. d. Verf.] Der erste Teil verklingt. Der Dirigent macht eine Pause, wartet oder hofft auf Applaus - alles still - eisiges Schweigen. Da ertönt aus der Proszeniumsloge neben der Bühne eine helle, durchdringende Stimme voller Empörung: "Warum klatschen denn die Scheißkerle nicht!" Die Spannung zerreißt, der Applaus brandet mit befreiendem Lachen auf. Die Vorstellung ist gerettet. Noch lange wurde an den Theatern über meinen temperamentvollen Ausrutscher gelacht; aber man sieht: der Zweck heiligt die Mittel!" (Godela Orff 1992: S. 42)
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Godela Orff sich in ihren Erinne-rungen auch zur Publikumsreaktion der Uraufführung geäußert hatte und zwar widersprüchlich. So heißt es zunächst recht verhalten in der Erstausagbe des Jahres 1992:
"Der erste Teil ist beendet - gottlob, es setzt freundlicher Applaus ein! Beim zweiten und dritten, dem letzten Teil ebenso!" (ebd.)
Den folgenden Abschnitt aus der Neuauflage der Erinnerungen (2008) sucht man in der Erstausgabe vergebens:
"Erste Berichterstattung am nächsten Tag von der stolzen Tochter an die Großeltern: "Liebe Großmutti, lieber Großvati, ich kann Euch kaum in einem Brief erzählen,
wie wunderbar es war. Vor Vatis Stück kam ein Ballett. Das war aber nicht besonders. Dann kam die große Pause und alle waren furchtbar aufgeregt, wie es wohl werden würde. Und dann ging es so
gut, dass man sich ganz umsonst aufgeregt hatte. Am Schluss hatte er 21 Vorhänge. Und die Leute haben geschrien und gestrampelt, dass Vati sogar noch durch das kleine Türchen vom eisernen Vorhang
rauskommen musste. Bis drei Uhr morgens haben die Leute ihm Komplimente gemacht. Sogar der Bürgermeister war ganz hin und das will - glaube ich - bei dem viel sagen. Konntet Ihr die Übetragung
gestern gut hören? Jedem von Euch gibt einen Kuss Eure Godela." Nachsatz vom Sohne Carl: "Die Übertragung soll Scheiße gewesen sein. Godela fühlt sich hier im Glanze sehr wohl. Niemand hat
geglaubt, dass das Stück so stark auf der Bühne wirkt. Die Presse überbietet sich in Lobeshymnen. Alles andere dann mündlich. Bis bald. Carl" (G. Orff 2008: S. 42).
Oliver Rathkolb (2021) übernimmt Orffs Legende zur Uraufführung offenbar ungeprüft bzw. interpretiert die Aussage des Kritikers Heinz Fuhrmann unzutreffend:
"Schließlich fand die Uraufführung der Carmina Burana am 8. Juni 1937 in Frankfurt am Main als Abschluss-veranstaltung des Tonkünstlerfestes des Allgemeinen Deutschen Musikvereins statt" (66).
"Fuhrmann erwähnte - wie auch Orff in der Befragung durch die US-Verhöreinrichtung, dem Screening Center -, dass die Carmina Burana nicht im Rahmen einer Veranstaltung des Propagandaministeriums aufgeführt wurden, sondern den Abschluss des letzten Tonkünstlerfestes des Allgemeinen Deutschen Musikvereins bildeten (92).
"Die Uraufführung fand am 8. Juni 1937 in Frankfurt am Main statt. Oskar Wälterlin hatte die Regie übernommen, Ludwig Sievert das Bühnenbild entworfen, Bertil Wetzelberger dirigierte. Es war die letzte Veranstaltung des von Franz Liszt 1861 in Weimar gegründeten Allgemeinen Deutschen Musikvereins" (Gersdorf 2002: 84).
Nr. 1
Nr. 2
"Doch fügte es das Schicksal, daß durch den gänzlich unerwarteten Tod des Königlichen Musikdirektors RastrelliA253, kurz nach den ersten Aufführungen des »Rienzi«, plötzlich eine Anstellung erledigt wurde, für welche sich sogleich aller Augen auf mich richteten.
[Richard Wagner: Mein Leben: Zweiter Teil: 1842-1850. Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 31323 (vgl. Wagner-Leben, S. 248)]
"Mehr als alles dies Herzliche, Bedeutende und Vernünftige wirkte in mir selbst der zu keiner Zeit meines Lebens gänzlich vertilgte enthusiastische Glaube an die Möglichkeit, da, wohin mich das Schicksal geführt, also auch jetzt hier in Dresden A261, doch wohl den Punkt gefunden zu haben, von welchem aus einmal eine Umkehr des Gewohnten in Bewegung zu setzen und das Unerhörte in das Leben zu rufen wäre;"
[Richard Wagner: Mein Leben: Zweiter Teil: 1842-1850. Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 31348 - (vgl. Wagner-Leben, S. 259)]
"Einen einzigen Freund, dessen inniges Verhältnis zu mir auch die gemeinsame musikalische Wirksamkeit in Dresden weit überdauerte, führte mir jedoch das Schicksal durch eben diese Anstellung zu. Zu den beiden Kapellmeistern mußte noch ein Musikdirektor angestellt werden; es bedurfte hierzu weniger eines Musikers von bedeutendem Rufe, als eines tüchtigen Arbeiters, gefügigen Menschen und vor allem Katholiken, da beide Kapellmeister zum Ärgernis der geistlichen Behörden der katholischen Hofkirche, in welcher die Königliche Kapelle zahllose Dienste zu versehen hatte, Protestanten waren."
[Richard Wagner: Mein Leben: Zweiter Teil: 1842-1850. Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 31363 (vgl. Wagner-Leben, S. 266)]
"Den König von Sachsen bezeichnete ich schließlich als vom Schicksal auserkoren, in dem von mir gedachten Sinne den übrigen Fürsten Deutschlands mit dem richtigen Beispiele voranzugehen."
[Richard Wagner: Mein Leben: Zweiter Teil: 1842-1850. Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 31616 - (vgl. Wagner-Leben, S. 379)]
"Die Folge der höfischen und direktorialen Ungnade ließ sich für die Zeit, welche das Schicksal mir noch als Dresdener Kapellmeister auszuhalten bestimmt hatte, in allem gewahren."
[Richard Wagner: Mein Leben: Zweiter Teil: 1842-1850. Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 31656 -(vgl. Wagner-Leben, S. 396)]
"Mit Herwegh war mir dies durchaus nicht geglückt; dagegen hatte mir das Schicksal in dem ehemaligen Sächsischen Gardeleutnant und früheren Geliebten der Schröder-Devrient, Hermann Müller, einen biedren und zur Unterhaltung aufgelegten Genossen zugewiesen."
[Richard Wagner: Mein Leben: Dritter Teil: 1850-1861. Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 31855 (vgl. Wagner-Leben, S. 485-486)]
"[...] somit schritt ich unverzagt zu den hierfür nötigen Bestellungen, ließ mein Mobiliar von Zürich kommen und glaubte nun, da das Schicksal mich einmal zu solcher Wahl gezwungen hatte, mich für zeitlebens als Pariser Niedergelassener ansehen zu dürfen."
[Richard Wagner: Mein Leben: Dritter Teil: 1850-1861. Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 32127 - (vgl. Wagner-Leben, S. 606)]
"Diesmal durfte ich es für ein Glück erachten, daß jetzt von keiner Einkehr in eine stille Zurückgezogenheit die Rede war, sondern daß es sich um den Antritt einer unendlichen Folge von äußeren Beziehungen und Tätlichkeiten handelte, zu denen wiederum ich ganz gegen meine Wahl und Neigung durch das Schicksal hingetrieben wurde."–
[Richard Wagner: Mein Leben: Dritter Teil: 1850-1861. Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 32146 (vgl. Wagner-Leben, S. 615)]
"Der gefahrvolle Weg, auf den mich heute mein Schicksal zu höchsten Zielen berufen hatte, sollte nie frei von Sorgen und Nöten von bis dahin mir noch ganz ungekannter Art sein; nie jedoch hat unter dem Schutze meines erhabenen Freundes die Last des gemeinsten Lebensdruckes mich wieder berühren sollen."
[Richard Wagner: Mein Leben: Vierter Teil: 1861-1864. Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 32456 (vgl. Wagner-Leben, S. 755)]
„Auch ich selbst kann hierzu nicht ohne Verklemmung mich anlassen: jedoch rührt diese nicht von der Furcht vor meinen Feinden her, (denn da hier mir nicht das Mindeste zu hoffen bleibt, habe ich auch Nichts zu fürchten!), sondern vielmehr von der besorglichen Rücksicht auf hingebende, wahrhaft sympathische Freunde, welche das Schicksal mir aus der Stammverwandtschaft desselben national-religiösen Elements der neueren europäischen Gesellschaft zuführte, dessen unversöhnlichen Haß ich mir durch die Versprechung seiner so schwer vertilgbaren, unsrer Kultur nachtheiligen Eigenthümlichkeiten zugezogen habe."
Judenthum in der Musik S. 8